Breslau verwandelt sich zur Filmkulisse: Eine Begründung, die keine ist

Unter der Überschrift „Breslau verwandelt sich in Filmkulisse“ (DT vom 9. August) schreibt Jacek Lepiarz über den „Fernsehfilm über Deutschlands bekanntesten Literaturkritiker und Holocaust-Überlebenden Marcel Reich-Ranicki“. Die Dreharbeiten zu diesem WDR-Fernsehfilm hätten am 3. Juli begonnen.

Der Teil des Films, der die Einweisung Reich-Ranickis ins Warschauer Ghetto zeigt, spielt offenbar in Breslau. Jacek Lepiarz begründet: „Weil es in Warschau kaum noch historische Spuren vom Ghetto aus der Kriegszeit gibt, dient Breslau als Kulisse für den Fernsehfilm.“ Das liest sich in etwa so: „Weil es in Hamburg keine Berge gibt, wird der Heidi-Film in Bremen gedreht.“ – Das heißt die Begründung Lepiarz' ist keine Begründung. Das „weil“ hätte er sich sparen können.

Breslau wurde von den Nazis „zur Festung erklärt“, obwohl Breslau „militärisch kaum befestigt“ war. Am 15. Februar belagerten sowjetische Truppen vom Süden und vom Westen her die Vororte Breslaus. Mit Flammenwerfern und Panzerfäusten kämpfte man beinahe um jedes Haus, und es gab kaum ein Haus, das nicht schwer zerstört worden war.“ (Wikipedia: Schlacht um Breslau). Breslau (wie viele andere deutsche Großstädte) war schwer zerstört worden. Warum wurde nun also Breslau als „Kulisse“ für das „Warschauer Ghetto“ gewählt? Es mag ja sein, dass es in Warschau selbst keine Spuren mehr vom „Warschauer Ghetto“ gibt. Doch warum sollten diese in Breslau zu finden sein? Das bleibt meines Erachtens in dem Artikel unklar.

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