Beten für verfolgte Christen

Einkaufen an Heiligabend

In San Stefano Rotondo, der römischen Titelkirche von Friedrich Kardinal Wetter, sind an den Fresken der Wand die Martyrien zahlreicher Heiliger abgebildet. Darstellungen von furchtbaren Folterungen. Da werden einige in Öl gekocht, andere an Bäumen aufgehängt. Einige Heilige wurden von Löwen gefressen, andere lebendig begraben. Furchtbare Verstümmelungen sind zu sehen: Hände werden abgehackt, eine Heilige wurde zwischen zwei Stiere gespannt und so zerrissen. Grausam. Es mutet an wie ein bebilderter Horror-Roman. Doch es war die Realität im alten Rom. Christen wurden nicht einfach nur getötet, vielmehr wurden sie gerade auch zur „Belustigung“ der Massen auf immer neue und grausamere Weisen zu Tode gequält. So stark muss ihr Glaube gewesen sein, dass sie nicht einmal angesichts dieser Qualen, angesichts dieser Schmerzen ihrem Glauben abschworen.

Das alles gehört der Vergangenheit an. Oder? Nicht wirklich. Auch heute noch werden Christinnen und Christen in mehr als 50 Ländern ihres Glaubens wegen verfolgt, mehr als 100 Millionen Menschen sollen davon betroffen sein. Das sind Menschen, die deswegen in den Tod getrieben werden, weil sie sich zum Gott Jesu Christi bekennen. Uns in Deutschland ist das oft nicht bewusst. Wir leben in einer bequemen Welt. Selbst wenn wir den starken Glaubensverlust in Deutschland beklagen, wenn wir spüren, dass die Selbstverständlichkeit des Glaubens, auch und gerade des christlichen, kontinuierlich abnimmt, selbst wenn wir spüren, dass wir an vielen Orten nicht mehr Volkskirche sind – wir haben es gut. Wir leben in einem Land, das die Religionsfreiheit verbürgt. In einem Land, in dem es etwa kein Problem ist, für Fronleichnamsprozessionen ganze Straßenzüge zu sperren. In einem Land, in dem beinahe jeder Feiertag ein christlicher ist.

Wir haben es also gut. Aber kann und darf uns das Leiden unserer Glaubensgeschwister kalt lassen? Ich denke nicht. Der Einzelne kann an der Verfolgungssituation wohl nichts ändern. Aber wir können beten. Wir können die verfolgten Christen auf der ganzen Welt in unser Gebet nehmen, können ihrer gedenken und können Gott, den Allmächtigen, darum bitten, seinen Geist in diese Welt zu senden. Wir können uns die Frage stellen, wie wir in einer Verfolgungssituation reagieren würden. Würden wir an unserem Glauben hängen, mehr vielleicht als am eigenen Leben? Ich weiß nicht, ob ich das könnte.

Aber wenn es wirklich stimmt, dass wir durch die Taufe zu einer Familie werden, zu Schwestern und Brüdern – dann müssen wir unser Möglichstes tun, ihnen beizustehen. In unseren Gemeinschaften, Gruppierungen, Verbänden und Pfarreien muss das Leid dieser unschuldigen Menschen mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Es darf nicht untergehen, nicht verschwiegen, nicht vergessen werden. Die Christenverfolgung geht uns etwas an. Muss uns etwas angehen.

Der Autor, 20, studiert Theologie in Regensburg

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