Aufnahme irakischer Flüchtlinge: Abwanderung der Christen stoppen

Zum Interview von Clemens Mann „Es gibt immer wieder neue Menschenrechtsverletzungen“ (DT vom 29. April): Die Aufnahme von 50 000 weiteren irakischen Flüchtlingen wäre ein humanitärer Akt, der die Probleme nicht an der Wurzel berührt. Viele Christen und andere religiöse und ethnische Minderheiten, die in den kurdischen Norden des Irak und in die Niniveh-Ebene geflüchtet sind, leben mit gepackten Koffern. Sie suchen einen Weg in den Westen, obwohl – wie die Gesellschaft für bedrohte Völker bestätigt – die Sicherheitslage im Nordirak wesentlich besser ist.

Was können wir im Westen tun, um die Abwanderung der Christen aus dem Norden des Iraks zu reduzieren, ja zu stoppen und schließlich die Rückwanderung zu ermöglichen.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) schlägt insbesondere drei Wirkungsfelder vor: Den Christen, die in der Niniveh-Ebene die größte Bevölkerungsgruppe sind, zusammen mit anderen Minderheiten in der Niniveh-Ebene sollte das Recht zur Selbstverwaltung eingeräumt werden. Hierfür sind politische Gespräche mit der irakischen Regierung erforderlich.

Kleinere Projekte zur Verbesserung des Zusammenlebens der verschiedenen Volksgruppen im Norden des Irak. Hier können die Kirchen und NGOs helfen, wenn Fördergelder bereitgestellt werden.

Förderung der Ansiedlung von Gewerbe, Leicht- und Lebensmittelindustrie zur Schaffung von Arbeitsplätzen, denn es fehlt besonders an bescheidenem aber sicherem Einkommen. Die wirtschaftspolitischen Voraussetzung sind zu verbessern, damit der Markt seine Chancen ergreifen kann.

Der Bedarf an Arbeitskräften in Deutschland sollte den Bemühungen untergeordnet werden, den Christen im Irak zu helfen, in ihrer Heimat zu bleiben. Aber spätestens seit 2003 hat der Westen eine Mitverantwortung für das Schicksal der gestrandeten irakischen Flüchtlinge in Syrien und Jordanien. Humanitäre Hilfe bleibt eine berechtigte Forderung – auch der GfbV.

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