Zurücktreten oder im Amt bleiben? – Bundespräsident Christian Wulff steht in der Kritik : Traurig, wie man mit dem Präsidenten umgeht: In der Grauzone Schaden genommen: Schwer, jetzt noch Werte zu verkörpern : Die Öffentlichkeit wird an der Nase her

Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Jede banale Kritik schadet direkt dem Ansehen des Amtes und nicht der Person selbst. Man kann sicherlich auch den Bundespräsidenten kritisieren. Aber man solle bitte den Bundespräsidenten Wulff nach seiner Arbeit bewerten und nicht nach politischem Kalkül.

Herr Wulff soll „gegen geltendes Recht“ gehandelt haben. Das ist lächerlich. Er hat ein Haus gekauft, was eigentlich die normalste Sache der Welt ist. Er hat sich das Geld von einem Bekannten privat geliehen, was ebenfalls die normalste Sache der Welt ist. Er hat nichts verbrochen, niemanden bestochen und keine Untreue begangen. Wo ist das Problem? Warum wird er so angegriffen? Es ist traurig, wie Deutschland mit seinem Bundespräsidenten umgeht. Soviel ich weiß, ist kein Bundespräsident zuvor so wie Wulff persönlich angegriffen worden. Dahinter steckt meines Erachtens etwas anderes, nämlich seine freundlichen Töne zum Thema Islam sowie seine ehrliche Meinung über Migration und Integration. Einige dunkle Kräfte in Deutschland können nicht verkraften, dass ausgerechnet der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland offen zu allen Menschen ist, gleichgültig welcher Nation oder Minderheit sie angehören.

Ich gebe Herrn Liminski (Leitartikel vom 20. Dezember) nicht immer Recht, aber in Sachen Wulff liegt er richtig. Ja, Wulff hat in der Grauzone agiert und sich damit beschädigt. Schlimm genug, aber das wird jetzt aufgebauscht, um den Präsidenten zu jagen. Sollte sich allerdings herausstellen, dass noch mehr vorliegt, wovon wir bislang nichts wissen, sieht die Sache anders aus.

Ein Bundespräsident soll makellos sein, wenn er auch wirklich moralische Werte ansprechen und setzen möchte. Leider ist dies Herrn Wulff jetzt nicht mehr möglich, weshalb er nur noch zurücktreten kann und sollte.

Erst kam der Kredit von der Unternehmergattin, dann hieß es, der Unternehmer selbst habe doch mit verhandelt. Was soll das? Da wird die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt. Es wird nur zugegeben, was offensichtlich nicht mehr zu leugnen ist. So geht das doch nicht. Dieses Vorgehen verträgt sich nicht mit dem Amt des Bundespräsidenten. Ich bin gespannt auf seine Weihnachtsansprache.