Zur anhaltenden Debatte um die kirchlichen Reform-Forderungen, die deutschsprachige Theologieprofessoren im sogenannten Memorandum erheben: Karl Rahner und die Frage nach Jesus Christus: Das Säurebad der Theologie zeigt Wirkung : Den Glauben verbreiten, n

Auch Guido Horst will dem Memorandum der deutschsprachigen Theologen widersprechen („Wenn das Säurebad der Theologie den Glauben wegfrisst“, DT vom 15. Februar). Er will es aber gründlich tun und nicht nur Einzelheiten widerlegen. Diese anerkennenswerte Absicht bringt ihn dazu, die Verursacher der Glaubensmisere zu identifizieren. Das gelingt ihm leichter als gedacht: es ist der Theologe Karl Rahner. Es ist in der Psychologie eine erwiesene Tatsache, dass dann, wenn Menschengruppen mit eigenen Problemen nicht fertigwerden können oder nicht wollen, sie diese auf andere Menschen projizieren, sie anderen Menschen zuschreiben. Das geschieht auch heute. Wir leiden alle unter der Glaubenskrise, besser, unter der Glaubensmisere. Wir alle scheinen keinen Ausweg zu finden. Was liegt näher, als einen Sündenbock auszuwählen, ihm unsere Probleme aufzuladen und ihn in die Wüste zu jagen. Das geschieht auch in dem ausführlichen Artikel von Guido Horst. Leider ist diese Projektion vollkommen missraten. In Rahners Theologie finden sich nicht die Schwierigkeiten, die wir heute haben, sondern im Gegenteil: die immense Bemühung, die Menschen vor diesen und ähnlichen Schwierigkeiten zu bewahren und ihnen zu dem Glauben zu verhelfen, der im NT gemeint ist.

Der Autor des Artikels greift zwei Fragen heraus, die tatsächlich die Mitte des christlichen Glaubens bilden: die Wirklichkeit Jesu als Mensch und Gott, und zweitens die Wirklichkeit seiner Auferstehung. Nach dem Autor leugnet Rahner die Gottheit Jesu und die Wirklichkeit seiner Auferstehung. Zur ersten Frage: Er zitiert einen Text Rahners über Jesus, nach dem er „der erste Anfang des endgültigen Gelungenseins der Bewegung der Selbsttranszendenz der Welt in die absolute Nähe zum Geheimnis Gottes“ ist. Dass dieser Satz nicht richtig zu verstehen ist, wenn die Erklärungen Rahners, warum es so ist, nicht angeführt werden, ist selbstverständlich. Dass die „Selbsttranszendenz der Welt“ nach Rahner das übernatürliche Existenzial voraussetzt, das als erste Tat Gottes, vor allem anderen, der Welt die Möglichkeit gibt, sich selbst zu transzendieren, wird verschwiegen. Dass Jesus nach Rahner „der Sohn des Vaters schlechthin ist, der in einem Verhältnis zu seinem Vater steht, das in absoluter Einmaligkeit im Unterschied zu allen anderen Menschen nur ihm zukommt“ (in: kleines Theologisches Wörterbuch, 1961 S.185) hätte zum richtigen Verständnis helfen können.

Die zweite Frage betrifft die Wirklichkeit der Auferstehung Jesu. Hier wird der Stab über Rahner gebrochen, weil er etwas theologisch Selbstverständliches sagt. Ist die Auferstehung Jesu „historisch“? Wenn sie das ist, bricht unser Glaube an Jesus Christus zusammen. „Historisch“ würde heißen, dass dieses Geschehen im Irdischen bleibt und gerade nicht der Beginn des Durchbruchs in die pneumatische Existenz der erlösten Welt bedeutet. Eine historische Wirklichkeit kann grundsätzlich beobachtet und durch Beobachtung bewiesen werden. Welcher katholische Theologe würde das von der Auferstehung Jesu behaupten? Jesu Auferstehung ist so in der Geschichte, dass sie diese aufgebrochen und zu einem neuen Anfang geführt hat. Sie ist dabei nicht ein historisches Geschehen, das in unserer Geschichte mit ihren Gesetzen bleibt. Wenn das so wäre, wären wir arm dran. Da aber unsere Geschichte, so wie sie ist, uns so wichtig ist, wird oft „historisch“ mit „wirklich“ gleichgesetzt. Dann ergibt sich der Schluss, dass Jesu Auferstehung nicht wirklich war, weil sie nicht historisch (in dem uns vertrauten Sinn) war.

Um das Gegenteil bei Rahner zu finden, würde es schon genügen, den Artikel „Die ewige Bedeutung der Menschheit Jesu für unser Gottesverhältnis“ (Schriften III,1961, 47– 61) zu lesen. Hier wird nicht nur gesagt, dass der Mensch Jesu in Ewigkeit der Auferstandene ist, sondern dass er so wichtig für uns geworden ist, dass auch jetzt noch jeder Zugang zu Gott nur durch ihn, den Auferstandenen, hindurch führen kann.

Ein Schlussgedanke: Ob es wohl gut ist, dass in dieser unserer schweren Glaubenssituation die Schar derer, die von Rahner erstmals oder erneut viel tiefer in die Glaubenswelt eingeführt wurden, aber nicht die Möglichkeit haben, dieses Zugang theologisch immer wieder zu verteidigen – ob es wohl gut ist, diese Menschen planmäßig zu verunsichern?

Selten habe ich einen Artikel gelesen, der so kurz und prägnant die Theologie Karl Rahners entlarvt hat, wie jenen in der „Tagespost“ vom 15. Februar 2011, mit der Überschrift: „Wenn das Säurebad der Theologie den Glauben wegfrisst“. Vor Jahren gab es in der „Tagespost“ eine Serie von Porträts herausragender Persönlichkeiten, darunter vieler Bischöfe. Letztere wurden dabei jeweils gefragt, wer der von ihnen am meisten geschätzte Theologe sei. Die Antwort einer bedeutenden Zahl der Bischöfe lautete damals: „Karl Rahner“. Entweder haben diese Bischöfe die Theologie Karl Rahners nicht verstanden und erkannt und deswegen die Wirkung jenes „Säurebades“ in ihren Diözesen nicht verhindert oder sie haben sie verstanden mit noch besorgniserregenderen Folgen. Dann aber sind das aktuelle Theologenmemorandum, wie die derzeitige Verfassung der Kirche in Deutschland nicht mehr verwunderlich. Welch ein Geschenk für die Kirche, dass nun jener Theologe den Stuhl Petri inne hat, der bereits damals Karl Rahners Theologie – wie im genannten Artikel dargelegt – durchschaut und kritisiert hat.

Danke für die vielen informativen Artikel, insbesondere für den „Etikettenschwindel“ von Alexander Kissler (DT vom 19. Februar) und allgemein zum sogenannten „Memorandum“. Als Lehrerin und somit an der „Front“ der Gesellschaft und am echten Puls der Zeit drängt sich mir der Gedanke auf, dass die Unterzeichner des „Memorandums“ keine Ahnung haben, was wirklich los ist in der Gesellschaft: Lügen und Verleumden aus reiner Lust und ohne rot zu werden, ungezogen sein, betrügen, abtreiben als Verhütungsmittel, untreue Liebe und wertefreies Sexualverhalten. Das ist die Realität der herrschenden Meinungsdiktatur, besonders auch unter Jugendlichen. Gerade deshalb ist der Zölibat und sind die anderen klaren Zeichen, die sich von dieser Welt deutlich abheben, notwendig, um Leuchttürme und somit Rettungsanker zu bilden.

Die Glaubensvermittler (Religionslehrer, Priester, Ordensleute und Laien) sind mehr denn je gefragt, täglich die Konfrontation dieser beiden Gegenpole, demoralisierte Gesellschaft und die aufrichtige Nachfolge Jesu Christi, auszuhalten und sich für die Lehre Jesu und die 10 Gebote trotz Gegenstürme einzusetzen. Es ist sehr schwer. Oft versagt man und muss bei Jesus „anklopfen“, wir brauchen seine Hilfe. Alleine ist es nicht zu schaffen. Wie bei der Passion Jesu ist dabei Spott und Hohn immer wieder zu erleiden. Doch die Nachfolge ist bekanntlich nicht immer nur „Zuckerschlecken“. Offenbar verwechseln diese „Theologen“ ihren offensichtlich eigenen Glaubensmangel, der als zeitlich begrenztes Phänomen vollkommen legitim und natürlich ist, mit der Suche nach Lösungen für das Problem der fortschreitenden Inkompatibilität eines echten und ernsthaften Christen in unserer realen Gesellschaft. (Öffentliche) Selbstzerfleischung, wie das diese unterzeichnenden „Theologen“ betreiben wollen, schadet durch eine chronisch mangelhafte differenzierte öffentliche Wahrnehmung der Sache Jesu Christi.

Der Text des „Memorandums“ erfüllt für mich teilweise das Faktum der pauschalisierenden Verleumdung. Der „Aufbruch“ im Glauben hat übrigens schon längst begonnen! Es gibt viele glaubensbegeisterte (junge) Menschen, die ihren Glauben mutig in den Alltag einbringen. Das scheint an diesen Theologen vollkommen vorbeigegangen zu sein. Die vielen engagierten und bekennenden Leserbriefe beweisen diesen bereits begonnenen „Aufbruch“ in ein neues, schwieriges Zeitalter ebenso. Hört auf, den Glauben zu zersetzen, sondern verbreitet ihn durch mutiges Bekennen zu Jesus Christus und seiner Lehre.

In seinem Beitrag „Der Etikettenschwindel“ sortiert Autor Alexander Kissler die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des Memorandums zur Reform der katholischen Kirche an Haupt und Gliedern nach den verschiedenen Statusgruppen insbesondere des deutschen Hochschulrechts. Dabei stellt er als besonders denkwürdig heraus, dass der Appell von einer großen Zahl an Emeriti unterzeichnet worden sei, also von entpflichteten Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern.

Aber gerade diese älteren und erfahrenen Theologinnen und Theologen verfügen über vielfältige Erkenntnisse und Einsichten in die Strukturen der Catholica, die Jüngere erst noch erwerben müssen.

Interessant wäre im übrigen das Ergebnis einer Umfrage unter gewöhnlichen Katholikinnen und Katholiken zu dieser Thematik. Ohne ein Prophet zu sein, läßt sich erahnen, dass sich eine ganz überwiegende Mehrheit selbst der aktiven Kirchgängerinnen und Kirchgänger auf die Seite der kirchenkritischen Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer stellen würde.

Dabei geht es nicht vornehmlich um Glaubensfragen, sondern um kirchliche, von Menschen geschaffene Organisationsstrukturen, die aus ihrer Mittelalterlichkeit in die Jetztzeit transferiert werden sollten, wenn die Organisation der römischen Kirche nicht insgesamt Schaden nehmen soll. Ob sich derartige Einsichten bis in die römische Kurie durchsetzen werden?