Zur Rezension des Buches „Die Kreuzzüge“: Kein neuer Ansatz

Die Besprechung des Buches „Die Kreuzzüge“ (DT vom 29. August) habe ich mit großem Interesse gelesen. Es heißt dort, es sei der Anspruch des Werkes, „beide Seiten, die christliche wie die islamische gleichberechtigt zu Wort kommen lassen zu wollen“. Dies sei ein neuer Ansatz. So neu ist er jedoch nicht, denn er hat schon seit den siebziger Jahren Eingang in die Schulbücher gefunden. Die Schüler sollten lernen, Sichtweisen und Überlieferungen von der einen und der anderen Seite kritisch zu überprüfen und ihre Urteile abzuwägen.

Die Achtklässler sahen in ihrem Lehrbuch die Beschreibung der Eroberung Jerusalems von 1099 aus abendländischer Sicht, etwa des Geistlichen Fulcher von Chartres oder des Wilhelm von Tyrus, der Beschreibung aus moslemischer Sicht, etwa in den Versen des Dichters Abiwardi aus Bagdad oder des arabischen Chronisten Ibn al-Athir, gegenübergestellt. Der Aufruf Sultan Saladins zum Heiligen Krieg und die Beschreibung der Rückeroberung Jerusalems von Ibn al-Athir wurde zwölf- und dreizehnjährigen Schülern ebenso als Quelle vorgelegt wie die beispielhafte Schilderung eines Übergriffs eines Ritters auf einen Moslem durch den syrischen Emir Usama oder die Schilderung eines rechtlich geregelten Zusammenlebens von abendländischen Christen und Moslems aus der Sicht des moslemischen Pilgers Ibn Jabair aus Spanien. Dies ist bemerkenswert, denn normalerweise setzen sich neue Sichtweisen, neue Erkenntnisse und neue Methoden nur sehr allmählich in den Schulbüchern durch.