Zur Podiumsdiskussion über alten und neuen Ritus auf dem Katholikentag: Die Wirklichkeit sah anders aus

Zum Beitrag „O Gott komm mir zur Hilfe“ und den Aussagen des früheren ZdK-Präsidenten Hans Meier (DT vom 27. Mai): Als ich den Satz las, Priester hätten vor dem Konzil einen frühen Zelebrationszeitpunkt gewählt, „damit die Gläubigen nicht dabei waren“, kamen mir die 1950er und 1960er Jahre in den Sinn, als ich in meiner Heimatpfarrei „Maria Heimsuchung“ in Wadgassen Messdiener, Mitglied des Bundes der katholischen Jugend und des Kirchenchores war. In der 4 000-Seelen-Gemeinde waren immer zwei Seelsorger im Dienst; der Pastor als verantwortlicher Leiter der Gemeinde und in Abständen von vier Jahren jeweils ein Kaplan. Sonntags war Gelegenheit, an einer der drei Messen teilzunehmen: um 7 Uhr die Frühmesse, um 8.30 Uhr der Kinder- und Jugendgottesdienst und um 10 Uhr das Hochamt mit dem „Asperges me“.

Wochentags waren die Gottesdienste um 6.30 und 7.10 Uhr; dienstags und freitags Schulmesse mit der Anwesenheit des gesamten Lehrpersonals. Donnerstagsfrüh um 6.15 Uhr konnte man an der Gemeinschaftsmesse der Jugend teilnehmen; der frühe Zeitpunkt war im Hinblick auf die Berufstätigkeit der jungen Menschen gewählt.

Ergänzen möchte ich noch, dass bis zur Installierung des elektrischen Geläutes wir Messdiener die Glocken eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst von Hand bedienen mussten: vom Turm herunter hingen lange Glockenseile zum Ziehen. Zunächst lud eine Glocke zur Messfeier ein, eine Viertelstunde vor Beginn dann zwei Glocken. An Festtagen riefen alle drei Glocken zur Heiligen Messe.

In der Pfarrei befand sich auch ein Krankenhaus in Trägerschaft der Waldbreitbacher Schwestern. Dort wohnte ein Ruhestandsgeistlicher, der für die Kranken Seelsorger war. Wo mag Herr Maier die von ihm geschilderte Erfahrung gemacht haben?