Zur Kritik an der Art, wie Papst Benedikt XVI. agiert: Der „homiletische“ Primat provoziert

Die Feuilleton-Artikel „Mundtotmacher“ und „Der Katholizismus, die unbekannteste Religion, speziell in Deutschland“ treffen leider ins Schwarze (DT vom 13. Februar). Dass die innere Stärkung und Wiederaufrichtung des Glaubens für Papst Benedikt im Beliebigkeitswirrwarr der postmodernen Gesellschaft den „homiletischen“ Primat hat und er über kurzlebige Ränkespiele und Verdächtigungskampagnen in souveräner Zurückhaltung hinwegsieht, ohne die tieferen Ursachen der Verwirrung zu verschweigen, erbost bestimmte, auf antikatholische Meinungsmache und abträglichen Generalverdacht erpichte Medienrudel. Statt vor der eigenen Haustür des wankelmütigen Zeitgeistes zu kehren – wofür es in unserer säkularen Bundesrepublik genug Anlässe gibt –, werden Sündenböcke gesucht und hämisch angeprangert. Notorischen Kirchengegnern muss die Prinzipientreue und Standfestigkeit der katholischen Kirche ein steter Dorn im Auge sein, oft wohl auch ein Gegenstand verkappten Neids. Flüchtig gesammeltes und kolportiertes Punktwissen als dienliche Abhilfe ersetzt gründliches, um Wahrhaftigkeit bemühtes Wissen. Schlagzeilen bleiben eben haften, machen leichter die Runde als tiefer schürfendes Nachdenken. Sünden werden banalisiert, die Zehn Gebote durch ein Dickicht wuchernder Vorschriften unkenntlich gemacht, Gedanken an eine jenseitige Gerechtigkeit tunlichst verdrängt.

Mitbedingt durch den säkularen Anpassungsdruck sind so seit Jahrzehnten leider (meist) große Mängel im schulischen Religionsunterricht entstanden und für die nötige kirchliche Katechese fehlt es in vielen Pfarrgemeinden an Zeit und Geduld. Am Gängelband dominanter Medien relativieren nicht wenige „moderne“ Katholiken den eigenen Glauben und lassen sich von schändlichen Versagensfällen „in der Kirche“ mehr beeindrucken, als über die komplexen Ursachen nachzudenken. Gefragt aber ist – nicht zuletzt von Sinn suchenden jungen Menschen – mehr christlicher Bekenntnismut und freudig vorgelebtes Glaubenszeugnis in unserer vom Wohlstand verwöhnten Generation. Die vorösterlichen Wochen bieten zum Nach- und Umdenken durchaus eine gute Gelegenheit.