Zur Diskussion um die wachsenden Flüchtlingsströme und über die Forderung eines Einwanderungsgesetzes : Die Chance, einen Teil der Schuld abzutragen : So löst man die Probleme der Dritten Welt nicht

In der Debatte um Flüchtlinge aus Afrika – (DT Nr. 95, Seite 1, „Flüchtlingsstrom nach Europa“) wird der Britische Außenminister Hammond zitiert: „Der Unterschied beim Lebensstandard zwischen Afrika und Europa bedeutet, dass es immer Millionen von Afrikanern geben wird, die eine ökonomische Motivation haben, nach Europa zu kommen… Jetzt haben wir keine nachhaltige Situation, weil Europa sich nicht selbst schützen kann, seinen Lebensstandard und seine soziale Infrastruktur, wenn es Millionen Migranten aus Afrika aufnehmen muss.“ In dieser Debatte darf aber nicht vergessen werden die Schuld, die Europa einschließlich Großbritanniens in vergangenen Jahrhunderten auf sich geladen hat durch menschenverachtende, profitable Ausbeutung des afrikanischen Kontinents, wie es Stefan Zweig im Jahre 1932 beklagte in dem kurzen Text „Unvergessliches Erlebnis. Ein Tag bei Albert Schweitzer“: „...dieser eine Mensch will für seine Person jenes ungeheure, unsagbare Unrecht sühnen, das wir Europäer, wir, die angeblich so kulturelle weiße Rasse, an dem schwarzen Erdteil seit hunderten Jahren begangen haben. Würde einmal eine wahrhafte Geschichte geschrieben werden, was die Europäer an Afrika verbrochen, wie sie erst durch Sklavenraub, dann durch Branntwein, Syphilis, Raffgier die ahnungslosen schwarzen Kinder dieses Erdteiles gemartert, ausgeplündert und dezimiert haben, dann würde eine solche historische Aufstellung eines der größten Schandbücher unserer Rasse werden und unser frech getragenes Kulturbewusstsein für Jahrzehnte zur Bescheidenheit dämpfen. Einen winzigen Teil dieser ungeheuren Schuld will nun dieser eine religiöse Mensch mit dem Einsatz seiner Person bezahlen durch die Gründung eines Missionsspitals im Urwald – endlich einer, der nicht in die Tropen geht um des Gewinns, um der Neugier willen, sondern aus reinem humanen Hilfsdienst an diesen Unglücklichen...“ Albert Schweitzer ging diesen Schritt im Jahre 1913. Bis heute sind viele Menschen aus allen Kontinenten in selbstlosem Einsatz in Afrika seinem Beispiel gefolgt. So hat heute aber auch die Flüchtlingspolitik der Länder Europas die Chance, einen Teil dieser großen europäischen Schuld gegenüber Afrika abzutragen.

Hurra, wir sind nach den Vereinigten Staaten das beliebteste Einwanderungsland. Trotz drei Millionen Arbeitsloser heißen wir Einwanderer willkommen. Wenn ich die vielen jungen Menschen aus Afrika und Asien sehen, die zu uns kommen, frage ich mich, welche Zukunft können wir ihnen bieten, wo wir selber für drei Millionen Menschen keine Arbeit haben. Was machen all die zugewanderten Menschen in Zukunft?

Auch wenn die Politik es bestreitet, die meisten der Zuwanderer sind Wirtschaftsflüchtlinge. Wirkliche Asylanten gibt es auch. Ihre Herkunftsländer werden sie eines Tages dringend für den Wiederaufbau benötigen – so ein hoher Geistlicher aus Syrien. Die Diskussion – wir brauchen Zuwanderung – ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung. Deutschland hat weltweit mit den höchsten Lebensstandard. Dieser fußt wesentlich auf dem Export unserer Produkte. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die gegenwärtige gute wirtschaftliche Lage Deutschlands nicht von Dauer sein wird.

China (vor Jahren noch hochmütig als verlängerte Werkbank Europas bezeichnet), Indien und andere Schwellenländer werden in naher Zukunft alle Hightechnikprodukte selber produzieren und auf dem Weltmarkt als Konkurrenten auftreten. Zwangsläufig werden unsere Exporte stark zurückgehen. Um irgendwie mitzuhalten, muss die Wirtschaft in Deutschland weiter rationalisieren. Exportrückgang und Rationalisierung bedeuten, dass weiter Arbeitsplätze verloren gehen und der Staat weniger Einnahmen hat – also auch weniger Geld für soziale Belange und Flüchtlinge.

Mit dem Gerede der Regierung vom Einwanderungsland und den im Weltmaßstab hohen finanziellen Zuwendungen forciert die Politik den Einwanderungsstrom. Anderseits befeuert auch die Bevölkerungsexplosion in der Dritten Welt die Zuwanderung. In den letzten 50 Jahren hat sich die Einwohnerzahl in den meisten Ländern der Dritten Welt verdreifach. Peter Scholl Latour hat es mit dem Satz „wir lösen die Probleme der Dritten Welt nicht, indem wir die Menschen zu uns holen“ auf den Punkt gebracht.