Zur Diskussion um die sprachliche Modernisierung der Bibelübersetzung: Zeitgeistige Neuübersetzung: Anpassung macht wenig Freude

„Rerum novarum cupidi“, „gierig nach neuen Verhältnissen“, näherhin nach Revolution, nannte Leo XIII. in den Anfangsworten seiner berühmten Sozialenzyklika die von sozialistischen Ideen erfüllten Arbeiter. „Rerum novarum cupidi“, als solche erweisen sich heute die kirchlich Verantwortlichen und damit die Bischöfe des deutschsprachigen Raumes („Die Bibel wird modernisiert“, DT vom 22. September).

Gewöhnt an den Klang der Übersetzung von Joseph Franz von Allioli mussten sich die katholischen Christen ab 1979 eine neue „Einheitsübersetzung“ aneignen. Aus „Noe“ war „Noah“ geworden, aus Isaias „Jesaja“ und so weiter. Die Friedensverheißung der Engel in Bethlehem galt nicht mehr den Menschen, „die guten Willens sind“, sondern den Menschen „seiner Gnade“. Das sind nur wenige Beispiele für die Neuerungen vor gerade einmal 37 Jahren.

Halbwegs, auch durch einen Generationenwechsel daran gewöhnt, wird den Gläubigen schon wieder ein veränderter muttersprachlicher Text der Heiligen Schrift zugemutet. Die Wahrheit aber ist „absolut ungeschichtlich“ (Reinhard Lauth) und Heiliges sollte nicht angetastet werden. So dürfte die abermalige Neufassung heiliger Texte weder den Glauben noch die Bindung an die Kirche fördern, vor allem deshalb nicht, weil sie erkennbar zeitgeistbeflissen ist.

Diese Zeitgeistbeflissenheit zeigt sich etwa an den Verbeugungen vor dem Feminismus, den Verrenkungen um die „Brüder und Schwestern“ und die „Ebenbürtigkeit“ Evas mit Adam.

Die Neufassung von Jes 7,14 oder die völlig unnötige Ersetzung des gängigen Begriffs „Wunder“ durch das gespreizt daherkommende Wort „Machttat“ offenbart schlicht, wie die Verantwortlichen den unverkürzten Glauben voller Menschenfurcht kaschieren.

Schon ab 1979 war die evangelische Seite weithin klüger und benutzte statt der Übernahme der gerade auch an sie adressieren Einheitsübersetzung weiter die ihr vertraute Luther-Bibel.

Dass sich die katholischen Bischöfe nun an eine neue eigene Textierung gemacht haben, markiert so auch das Ende einer ökumenischen Illusion.

Seit alter Zeit hatte die Kirche zwei Bibelübersetzungen, die sich zwar in manchem widersprachen, die aber jede für sich als inspiriertes Wort Gottes galten: die (griechische) Septuaginta und die (lateinische) Vulgata. Letztere stammt immerhin aus der Feder des heiligen Hieronymus, eines Kirchenvaters. Heutige Bibelübersetzungen werden hingegen von anonymen Expertengremien angefertigt. Ob die „neue“ Einheitsübersetzung nun besser ist als die „alte“, mögen Kundigere als ich beurteilen – doch erweckt die Aussicht, dass die in der Liturgie verwendeten Texte von nun an in einem Rhythmus von etwa 30 Jahren an die Sensibilitäten des jeweiligen Jahrzehnts angepasst zu werden drohen, wenig Freude.

Letztlich wäre es da wohl besser, für den Liturgiegebrauch auf die Vulgata zurückzugreifen, die fast 1 700 Jahre unumstritten die Bibel der katholischen Kirche war. Wieder einmal zeigt sich, wie verhängnisvoll die leichtfertige Aufgabe der lateinischen Liturgiesprache war: man hat Glaube und Liturgie dem Zeitgeschmack ausgeliefert.