Zur Diskussion um die Weissagungen des Malachias: Die Frage nach dem Petrus Romanus

Dem Leserbriefschreiber Gustav Benirschke (DT vom 28. Juli) ist Dank abzustatten. Auch mir liegt das bekannte und lesenswerte Buch von Hildebrand Troll vor. Troll selber weist am Ende seiner Ausführungen (Seite 105) auf ein Wort Pascals hin, der daran erinnert, dass eine zuverlässige Interpretation einer prophetischen Aussage nur dann möglich ist, wenn das Ereignis eingetroffen ist. Daraus folgernd muss sich eine Liste mit unzusammenhängend aufeinanderfolgenden Sinnsprüchen nicht unbedingt chronologisch lesen lassen. Dies vor allem gegen Ende. Nach „gloria olivae“, für Benedikt XVI., folgt abrupt ein Hinweis auf das Ende der Welt. Es ist nicht zwingend, dass hierin eine direkte zeitliche Abfolge gesehen werden muss – im Gegenteil! Es widerspräche ja den Worten Christi, dass keiner den Tag kennt, nur der Vater (Mt 24,36). Wer könnte also mit „sedebit“ gemeint sein? Ein Papst, klar, aber einer dessen Weissagung noch aussteht, also eben dieser nun folgende „Petrus Romanus“. Grundsätzlich ist das Ende dieser Weissagung nichts anderes als eine Paraphrase auf die Gerichtsworte Jesu.

Viel interessanter ist die Interpretation des Sinnspruchs Papst Benedikts XVI.. Meiner Ansicht nach könnte „gloria olivae“ („Ruhm des Ölbaums“) auf die offizielle Wiederherstellung des liturgischen Kultes der Kirche bezogen sein, die er mit seinen Verlautbarungen und seinem gelebten Vorbild begonnen hat. Vor allem aber durch sein Motu proprio „Summorum pontificum“. Der Tempelkult Israels lebt – nun vollendet und vollkommen – im Opfer des Neuen Bundes fort, das in jeder Messe begangen wird. Israel selbst, ja das ganze Volk Gottes aller Zeiten, wird von Paulus als Ölbaum bezeichnet (Röm 11, 13–24). Dies ist ein alttestamentarisches Bild, das auch Jeremia gebraucht, als er vom Bund Gottes mit seinem Volk spricht (11, 1–17). In diesen Zeilen wird auch das kultische Element angesprochen (Verse 12f) – ebenfalls in der Offenbarung Kap. 11, 1–4. Ganz deutlich ist Jesus Sirach im Kapitel 50. Dort meint man fast den Titel des Motuproprios samt dem Amt des Papstes durchzuhören. Hier wird die Größe des Hohenpriesters Simeon gepriesen, der „wie ein üppiger Ölbaum voll von Früchten, wie ein wilder Ölbaum mit saftigen Zweigen (ist). Wie herrlich, wenn er die Prachtgewänder angelegt und sich mit allem Schmuck bekleidet hatte, wenn er emporstieg zum erhabenen Altar und die Einfassung des heiligen Raumes mit Glanz erfüllte.“ (50, 10f) Die Kirche und ihr überlieferter Tempelkult ist der Ruhm Israels!