Zur Diskussion um die Äußerungen des ZdK, Laien-Seelsorge und den Zölibat: Glaubensschwund mit Folgen: Pikant abqualifiziert

Wenn die Glaubensfreude nur auf das Thema „Zölibat“ verkürzt wird, hat Präsident Sternberg der ZDKs ein schiefes Wahrnehmungsproblem. Für den Beitrag von Frau Beate Balling, aus ihrer Sicht, kann man nur danken.

Wer dem Glaubenschwund das Wort redet, sollte sich einmal in den Pfarreien oder Pfarreiengemeinschaften zur Ort umschauen. Dort gibt es zum Beispiel gut ausgebildete Laien-Seelsorger, gesegnete Wortgottesdienstleiter/innen, die aber nicht eingesetzt werden, um Wortgottesdienst feiern zu dürfen, weil die hauptamtlichen Geweihten dies nicht zulassen. Also ein Strukturproblem (vielleicht mit Neidkomplex), du sollst keine fremden G… neben Dir heranwachsen lassen.

Wir müssen nicht ständig die Missionsgebiete zitieren, denn in unserem Nachbarland Frankreich kann auch nicht jeden Sonntag eine Eucharistie mit einem geweihten Priester gefeiert werden. Es gibt dort aber genügend positive Beispiele, wie das Glaubensleben – auch in der Woche – weitergegeben wird. Fällt diese Glaubenspraxis weg, so wird der Olivenzweig dürr.

Die Bezeichnung „Import-Priester“ ist mehr als eine Provokation. In welchem Weltbild, unter welchem Horizont und auf welcher kulturellen Grundlage wandelt der Präsident des ZdK? Weiß er eigentlich, was katholisch-sein bedeutet? In der Kultur- und Kirchengeschichte – auch im deutschsprachigen Raum – finden wir Geistliche, Patres, Nonnen, Bischöfe, welche in fremden Gebieten das Evangelium verkündigen. Sind dies „Import-Priester“, „-Nonnen“ oder „-Brüder“? Ich rate Herrn Sternberg, einmal einen kompletten Ortswechsel vorzunehmen, um seinen Gesichtshorizont zu erweitern.

In 35 Jahren meines beruflichen Engagements habe ich die Vielfalt und Geborgenheit unterschiedlicher katholischer Gemeinschaften rund um den Globus kennengelernt. Repräsentanten des ZdK mit einem Fiaker-Blick bringen unsere Glaubensgemeinschaft nicht weiter.

Die fremdenfeindliche Abqualifizierung von Priestern aus Osteuropa oder Afrika als „Import-Priester“ durch den ZdK-Präsidenten Thomas Sternberg (DT vom 01. September) wirkt umso pikanter vor dem Hintergrund, dass Herr Sternberg sich noch vor wenigen Monaten im Umfeld des Leipziger Katholikentages erdreistete, der Alternative für Deutschland (AfD) wahrheitswidrig Fremdenfeindlichkeit zu attestieren.

Dies führte bekanntlich zu deren Nichteinladung, während man mit Parteien, die offen für Abtreibung bis zur Geburt, Sterbehilfe und Genderwahn eintreten, keinerlei Berührungsängste zeigte.

Die Entgleisungen des ZdK-Präsidenten werfen allen Ernstes die Frage auf, ob es sinnvoll ist, die ZdK-Präsidentschaft seit Jahrzehnten immer wieder Politikern zu übertragen.

Die für die Repräsentanz des deutschen Laienkatholizismus notwendige parteipolitische Neutralität ist offenbar nicht gegeben – im Gegenteil. Das Amt wird ausgenutzt, um das eigene parteipolitische Süppchen zu kochen.