Zur Diskussion um den programmatischen Kurs der CDU: Das überzeugt so nicht mehr

Zum Interview mit Georg Brunnhuber (erschienen in „Die Tagespost“ vom 12. März 20099: Dem Leserbrief von Frau Ilona Dubalski-Westhof zu dem oben genannten Interview möchte ich einige weitere Gedanken anfügen. Herr Brunnhuber belegt mit seinen Antworten das Bild, welches wir von unseren Politikern leider haben müssen, dass sie die an sie gestellten eindeutigen Fragen nicht direkt beantworten. Er schürt damit nur die Befürchtung, dass Politiker fern der Realität agieren oder keinen Mut haben, die notwendigen Antworten zu geben.

Die Frage ist eben längst nicht mehr, ob es zur CDU eine Alternative gibt, oder nicht, wie Herr Brunnhuber unreflektiert behauptet. Jedenfalls gibt es diese nicht mehr in dem Sinne, dass die CDU ihren christlichen Wählern alles zutrauen darf in der Annahme, jene würden ohnehin und automatisch für sie stimmen.

Die CDU, als ihrem Namen nach christliche Partei, müsste vielmehr ganz konkrete Antworten auf die drängenden Probleme unserer Zeit geben. Und das macht sie eben nicht, weder in der Familienpolitik, noch in der Frage nach dem Schutz des Lebens.

Das nur unzulänglich entwickelte Bewussstein von Herrn Brunnhuber für die Zeichen der Zeit offenbart sich in seinem Hinweis auf die Kritik der Bischöfe am Papst (Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Piusbruderschaft). Selbst wenn das Verhalten einzelner Bischöfe wie zum Beispiel von Kardinal Karl Lehmann oder Erzbischof Werner Thissen mehr als ärgerlich war, so haben doch die deutschen Bischöfe in der Diskussion über die Forschung an embryonalen Stammzellen oder über die Abtreibung eindeutig Stellung bezogen. Und wenn Herr Brunnhuber jetzt mit dem Argument daherkommt, nicht katholischer sein zu wollen, als es die Bischöfe sind, so ist das eine geradezu empörend freche Antwort auf die Frage des Journalisten. Wenn sich die Politiker in den essentiellen Fragen doch nur an das hielten, was die Bischöfe sagen!

Bundeskanzlerin Merkel hat in der Vergangenheit wiederholt bekräftigt, dass ihre Kritik am Heiligen Vater richtig war und der Staatsräson entspräche. Wie kann Herr Brunnhuber dann behaupten, dass die Bundeskanzlerin „..das alles so nicht mehr machen“ würde?

Auch sein Schlussappell für ein konservatives und wirtschaftsfreundliches Deutschland, welches nur mit der CDU machbar ist, ist angesichts der Querelen in der Großen Koalition und der Aussicht/Hoffnung auf eine Koalition mit der FDP nach den Bundestagswahlen in diesem Jahr, nichts mehr als ein billiges und abgegriffenes Schlagwort. Es taugt überhaupt nicht dazu, mich davon zu überzeugen, meine Stimme der CDU geben zu müssen.