Zur Diskussion um den Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen: Unreflektierte Angriffe auf das Kirchenrecht

Der Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen ist wieder einmal in aller Munde; plakativ wird an mancher Stelle das sogenannte Prinzip der Barmherzigkeit gegen das Kirchenrecht angeführt. Doch ist es mit dieser pauschalen Gegenüberstellung wirklich getan? Zunächst ist zu bemerken, dass jenes viel gescholtene Kirchenrecht Seelsorger und Pfarrgemeinde darauf verpflichtet, den Eheleuten dabei zu helfen, ihre Ehe in christlichem Geist zu führen und den Weg zur Vollkommenheit zu gehen (c. 1063). Tun wir hier wirklich genug?

Anzunehmen ist, dass die Zahl der Scheidungen zurückginge, wenn hier mehr Initiative gezeigt würde – gerade wenn sich die ersten Probleme einstellen. Außerdem: Das Kirchenrecht ist kein lebensferner Normenkatalog, der die Menschen nicht im Blick hat, sondern vom Bemühen geprägt, die Botschaft Jesu umzusetzen. Nun lehrt Jesus die Unauflöslichkeit des Ehesakramentes in aller Deutlichkeit, ein Vermächtnis, an das die Kirche gebunden ist. Und Jesu Botschaft der Barmherzigkeit ist immer auch mit dem Ruf zur Umkehr verbunden (siehe etwa die Begegnung mit der Ehebrecherin, Joh 7f.).

Mit unreflektierten Angriffen auf das Kirchenrecht ist in dieser schwierigen Angelegenheit also nichts gewonnen. Viel eher schon mit Gebet für die Betroffenen und einem einfühlsamen Umgang mit ihnen, der zugleich das Verständnis für die Haltung der Kirche zu vermitteln sucht. Es ist ein Übel unserer Zeit, die geltende Ordnung der Kirche mit Negativ-Vokabeln zu belegen, mit missverständlichen Worthülsen („Offenheit“, „neue Wege“, „neue Lösungen“, „Toleranz“).

Die kirchliche Lehre ist weder konservativ noch progressiv, weder alt- noch neumodisch. Sie ist nicht zeitgemäß, sondern ewigkeits- und gottesgemäß und gerade deswegen auch dem Menschen gemäß.