Zur Diskussion um den Leserbrief von Kardinal Cordes : Pastoral muss im Glauben der Weltkirche wurzeln

Ich möchte dem Leserbrief von Paul Josef Kardinal Cordes, „Die Verwirrung eingrenzen“ vollständig zustimmen (DT vom 7. März). Den Ausführungen und Vorschlägen von Herrn Dr. Aengenheister in seinem Leserbrief „Das wäre pastorale Subsidiarität“ stehe ich mit Unverständnis gegenüber. Für mein Verständnis vom Primat des Papstes ist mir mein Blick in die Kirchengeschichte sehr wichtig, doch die Bismarksche Cirkular-Depesche, mit seiner Kritik an den damaligen deutschen Bischöfen, sie seien nur noch Werkzeuge des Papstes, seien Beamte ohne eigene Verantwortung, spielt für mich dabei keine Rolle.

Der Papst ist traditionell Bischof der Diözese Rom, aber als Papst ist er der oberste Bischof der ganzen Weltkirche, also aller Bistümer weltweit! Nach Zurückdrängung der verschiedenen nationalkirchlichen Bestrebungen im 19. Jahrhundert konnte das 1. Vatikanische Konzil den Primat des Papstes dogmatisieren. Das 2. Vatikanische Konzil versuchte den Papst wieder stärker in das Bischofskollegium einzubinden. Das katholische Kirchenrecht hebt allerdings seine Stellung als „Haupt“ des Bischofskollegi-ums und des zur Einberufung eines allge-meinen Konzils allein Berechtigten hervor, sodass der Primat des Papstes in der katho-lischen Kirche nach wie vor uneingeschränkt gilt. Das Dogma von 1870 beinhaltet ein oberstes Bischofsamt und eine lehrmäßige Unfehlbarkeit in der Glaubens- und Sittenlehre. Wenn man heute sieht, wie Bischöfe Opfer der Säkularisierung und des Zeitgeistes geworden sind, so kann ich die unverzichtbare Notwendigkeit dieses Dogmas klar erkennen. Da sind für die Ortsbischöfe noch genügend große ortsspezifische Aufgaben- und Verantwortungsbereiche vorhanden.

Die Aussage des DBK-Vorsitzenden Kardinal Reinhard Marx „Wir sind keine Filiale von Rom“ halte ich für völlig unangebracht, weil er die kirchliche Wirklichkeit von Ortskirche in der Weltkirche nicht differenziert genug, seriös und für jedermann verständlich wiedergibt! Katholische Pastoral hat ihre unabdingbare Grundlage in der katholischen Glaubens- und Sittenlehre, also im Dogma! Die von Herrn Dr. Aengenheister gelobten Aussagen zur Ehepastoral der Theologen Eberhard Schockenhoff, Kardinal Kasper und leider auch des Wiener Kardinals Schönborn halte ich nicht für geeignet, weil nicht mit dem Evangelium in Einklang zu bringen.

Die Gradualität bezieht sich auf einen von einem geistlichen Begleiter angeleiteten Weg eines demütigen Sünders, der seine eigene Schuld einsieht und sein Leben schrittweise ändern möchte, weil er es auf einmal nicht schafft. Gradualität als falsches Entgegenkommen, das den Sünder nicht dazu ermutigt, sich aus den Verstrickungen der Sünde befreien zu wollen, ist hingegen nicht mit dem Evangelium zu vereinen.