Zur Diskussion um den Beitrag „Die Krise und der Konvertit“: Schweigen wäre ganz unmöglich: Genau die gleiche Erfahrung gemacht: Treffend und herzerfrischend: Die Liebe macht uns frei

Ach, wie sehr wünschte ich für jeden zurzeit aus der Kirche austretenden Katholiken einen Konvertiten wie im Artikel „Die Krise und der Konvertit“ (DT vom 4. Mai). Einen, der „einmal radikal und immer radikal“ die „Nase tief im Schott hat“, sich „vom Katechismus seine tausend Fragen beantworten lässt“, „papsttreu bis auf die Knochen“ die Sendschreiben und Ansprachen des Heiligen Vaters liest und somit mit dem Herzen der Kirche in Rom zutiefst verbunden ist. Einen Katholiken, der seinen Hunger nach Gott und Geistigem mit den überlieferten Schriften, den Worten und Werken der Heiligen und Theologen sättigt, der vom inneren Reichtum der Sakramente unterrichtet und erfüllt ist und der die Heilige Messe in ihrem vorgeschriebenen Vollzug als Höhepunkt und heiligstes Geheimnis der Kirche liebt und mitfeiert.

Ich bin kein Konvertit, sondern als acht Tage altes Kind getauft und im Glauben erzogen. Nach zwanzig Jahre im Abseits hat der Herr in seiner Güte mich vor 16 Jahren tatsächlich „umgedreht“. Die unverdiente Gnade hat dieselben Folgen wie beim Konvertiten in der „Tagespost“: Der Umgekehrte kann unmöglich schweigen über den neugeschenkten Glauben. Das erweckte hohe Sündenbewusstsein bringt den Menschen in Bewegung. Es scheint das Laufen zu sein, von dem mit spürbarer Leidenschaft der Apostel Paulus in 1 Kor 9, 24–27 spricht.

Leider haben auch die „Umgedrehten“ denselben Ruf wie die „radikalen“ Konvertiten. Sie sind vielen ein Ärgernis. Doch auch hier bleibt die letzte Frage: Wozu hat der Heilige Geist sie wohl umgedreht?

Als ich die „Tagespost“ vom 6. Mai in Händen hielt, fiel mir sofort „Die Krise und der Konvertit“ ins Auge. Ich war sofort gefesselt, jede Zeile trifft auf mich und mein Leben zu. Mein Mann und ich sind vor elf Jahren in die katholische Kirche übergetreten aus der evangelisch-lutherischen Landeskirche in einem Umweg über die SELK, mit vier unserer sieben Kinder, die anderen drei folgten nach und nach. Unsere damals gerade fünfzehn Jahre alte Tochter erkannte sofort ihre geistliche Berufung und trat 2003 nach dem Abitur ins Kloster ein.

Wir machten genau die Erfahrungen, über die Sie schreiben: Alle nicht-katholischen Ansichten werden geduldet, die Konvertiten werden „beäugt“, lieber „Weltoffenheit“ der „Ökumene wegen“, Heilige Messen, nach denen wir uns fragten, ob sie überhaupt gültig waren und die Frage, warum man als Katholik innerhalb der katholischen Kirche die Lehre der katholischen Kirche nicht einfordern kann. Wir lesen den „Schott“ zwar nicht während der Heiligen Messe, aber danach zuhause, während des Frühstücks. Unser 21-jähriger Sohn, Physikstudent, ministriert nach wie vor mit, wenn er am Sonntag daheim ist.

Jeden Tag bin ich froh und danke Gott über den Weg, den er uns in die katholische Kirche geführt hat. Es war wirklich wie ein nach Hause kommen. In der Heiligen Messe dürfen wir ein Stück des himmlischen Jerusalems sehen und erleben. Warum sind wir katholisch geworden? Es war wie bei so vielen Katholiken: die Heilige Eucharistie und die Gottesmutter!“ Ich danke Ihnen von Herzen für Ihren Beitrag!

Als Konvertitin Jahrzehnte hindurch grenzenlos beschenkt durch die heilige Kirche, danke ich Ihnen für dieses treffende und herzerfrischende Porträt „Die Krise und der Konvertit“ von Ingo Langner (DT vom 4. Mai).

Zum Leserbrief „Aus der Seele gesprochen“ vom Dienstag, den 11. Mai, zur Diskussion um den Beitrag: „Die Krise und der Konvertit“: Es geht doch in der katholischen Kirche nicht darum, sich zu rühmen, wie gut wir sind und wie schlecht die anderen, also sich in selbstherrlicher Heiligkeit zu sonnen – und gerade jetzt ist diese Haltung unangebrachter denn je –, sondern es geht darum, sich zu bemühen, die Gesinnungen von Jesus Christus zu leben. Das hat nichts mit Glaubensverdrehung, sondern mit Glaubenswahrheit zu tun. Jesus hat den Hochmut und die Eitelkeiten mancher Schriftgelehrten auch nicht gutgeheißen.

Schade, dass auch in unserer Zeit manche nicht begreifen wollen, dass die Wahrheit, die uns befreit, doch die Liebe ist.