Zur Diskussion um das „bedingungslose Grundeinkommen“: Sozial ist, was zur Eigeninitiative ermutigt

Zum Leserbrief von Stephan Holzhaus „Das System bedarf einer Korrektur“ (DT vom 18. Dezember): Bei der Diskussion zum Thema „bedingungsloses Grundeinkommen“ wird zu Recht auf das christliche Menschenbild verwiesen. Allerdings wird dabei immer vergessen, dass zum christlichen Menschenbild auch die Eigenverantwortung gehört. Der KKV, Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, hat deshalb eine Erklärung zum Grundeinkommen verabschiedet, deren Kernsätze ich gerne in Erinnerung rufen möchte: Eigenverantwortung im Sinne des Subsidiaritätsprinzips (Hilfe zur Selbsthilfe) ist nicht unsozial, sondern das Kennzeichen einer Gesellschaft, die soziale Gerechtigkeit anstrebt. Sozial ist deshalb, was den Einzelnen zur Eigeninitiative ermutigt und zur Eigenständigkeit befähigt. Auf die Politik bezogen heißt das, eine Politik, die sich am christlichen Menschenbild und damit an der katholischen Soziallehre orientiert, wird die Förderung des Einzelnen zum Ziel haben. Sozialpolitik bedeutet demnach, jedem die Chance auf selbstgeschaffenen Wohlstand zu geben, aber nicht durch Ansprüche an den Staat. Die sozialste Tat ist deshalb, Menschen wieder auf die eigenen Füße zu stellen. Insofern ist eine Rückbesinnung auf das Subsidiaritätsprinzip der katholischen Soziallehre nötiger denn je. Soziale Gerechtigkeit und Eigenverantwortung sind demnach keine Gegensätze, sondern die zwei Seiten derselben Medaille.