Zur Diskussion um das Memorandum der Professoren und den Beitrag von Peter Seewald : Wider die Miesmacher in unserer Kirche: Klare Wegweisung in verworrener Zeit : Das Thema prägnant auf den Punkt gebracht: Berufungen in zweifelhafte Obhut geben?: Bischöf

In der Auseinandersetzung um das Theologen-Memorandum wird uns einmal mehr klar, was wir an unserer „Tagespost“ haben. Der jüngste Beitrag von Peter Seewald „Glaube, Hoffnung, Liebe“ (DT vom 26. Februar) macht verständlich, weshalb das Memorandum nach der Ankündigung des Papstbesuches in Deutschland hastig auf den Markt geworfen worden ist. Wer in kirchlichen Gremien die „Vorfreude“ auf diesen Besuch miterlebt, versteht sehr gut, warum er den Memorandisten höchst ungelegen kommt: Weil er ein Lackmustest werden und deutlich machen könnte, dass es auch in Deutschland viele Menschen gibt, die sich danach sehnen, Glauben gemeinsam authentisch zu leben, die an ermüdenden Strukturdebatten nicht interessiert sind und die von „Reformern“ verbreitete miese Stimmung satt haben. Deshalb murren die Gremienkatholiken, dass wegen des Papstes jetzt „alles andere liegen bleibe“, und geben sie die Parole aus: „Wir gehen nicht hin“. Der Papst also ist dafür verantwortlich, dass wir nicht bis spätestens Ende September endlich eine Kirche haben, die alle ihre Kritiker zufriedenstellt.

Warum findet man einen solchen Beitrag wie den von Peter Seewald nur in dieser Zeitung oder in wenigen anderen Medien? Weil man ihn anderswo auch im kirchlichen Raum niemals veröffentlichen würde, weil dort gerade das nicht praktiziert wird, was das Theologen-Memorandum fordert: ein offener Dialog, sondern jene beklagte „Abschottung“, die verhindern soll, dass der Geist wehen kann, wo und wie er will. Die Folge hiervon ist eine mediale Kirchenspaltung in zwei sich aus ganz unterschiedlichen Quellen informierende Lager mit einem jeweils anderen Bild von der Kirche und ganz verschiedenen Erwartungen an sie. Wer die Kirche nur durch die Brille des Christ in der Gegenwart, der Stimmen der Zeit oder von Publik Forum betrachtet, sieht vor allem „Probleme, die uns allen unter den Nägeln brennen“, und kann sich gar nicht vorstellen, dass es viele glaubensfrohe Menschen gibt, denen anderes viel wichtiger ist, die ihre Kirche lieben wie sie ist und sich nicht permanent über sie ärgern. Ob es noch gelingen kann, diese faktische Spaltung des Kirchenvolkes zu überwinden, erscheint fraglicher denn je.

Gott sei Dank für Peter Seewald, für seinen Glauben und sein wunderbares Zeugnis! Gott sei Dank für „Die Tagespost“, die ihm eine vernehmbare Stimme gegeben hat! Gott sei Dank für die klare Wegweisung in dieser verworrenen Zeit. Gott sei Dank im Namen aller Leser, die – wie ich – durch Seewalds Gedanken ermutigt, gestärkt und mit neuer Hoffnung und Zuversicht erfüllt wurden. Gott sei Dank, dass er uns wieder gesagt hat, was wir als Christen doch eigentlich wissen müssten: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Joh 14,1).

Peter Seewald sei ganz herzlich gedankt für seine hervorragende Analyse „Glaube, Hoffnung, Liebe“ zum Memorandum der Rom-Gegner. Selten wurde das Thema so prägnant und umfassend auf den Punkt gebracht. Danke auch der Redaktion der „Tagespost“ für die stets fundierten Beiträge und dass den Lesern zu ihren Meinungen soviel Platz eingeräumt wird. Die Tagespost sollte ein „Muss“ für jeden Katholiken sein, der es ernst mit seiner Kirche meint.

In Sachen Theologenmemorandum: Öffentliche Gespräche sind selten offene Gespräche und offene Gespräche selten öffentlich. Mich bedrücken die Kollektivunterschriften. Sollte auf den Inhalt nicht jeder einzeln angesprochen werden, als ob er den Text selbst verfasst und unterschrieben hätte? Dürfte man auch fragen, warum der Heilige Geist Berufungen wecken soll, die dann in zweifelhafte Obhut geraten?

Im „Memorandum“ werden die sattsam bekannten Forderungen erhoben, die die katholische Kirche in Deutschland letztlich protestantisieren sollen. Für einen noch darüber hinausgehenden Satz muss man den Verfassern aber sogar regelrecht dankbar sein: „Nur wenn Selbst- und Fremdbild der Kirche nicht auseinanderklaffen, wird sie glaubwürdig sein.“ In Zeiten heftiger Angriffe und Verleumdungen gegen die katholische Kirche ist kaum eine Forderung vorstellbar, die entlarvender wäre als diese, die nur im Sinne einer Selbstaufgabe verstanden werden kann.

Für wen sprechen die Unterzeichner? Für einen von ihnen, Hans Küng, reduziert sich die Auferstehungsbotschaft wörtlich darauf, „dass dieser Jesus von Nazareth nicht ins Nichts, sondern in Gott hinein gestorben ist.“ Ein anderer, Otto Hermann Pesch, der übrigens 2003 die Laudatio zu Küngs 75. Geburtstag hielt, beklagt die „antiprotestantischen Formen des eucharistischen Kultes in der katholischen Kirche“ sowie die „Liturgiereform, wobei die Kräfte des Beharrens in allen neuen Hochgebeten Formeln haben festklopfen können, die evangelischen Ohren nur anstößig klingen können“ und plädiert dafür, „Herrenmahlsgemeinschaft in begrenzter und dafür vorbereiteter Situation zu ermutigen“. Man kann nur hoffen, dass den Unterzeichnern zu einem beträchtlichen Teil nicht voll bewusst ist, was sie unterstützt haben, und unsere Bischöfe in ihrer Gesamtheit die richtigen Konsequenzen ziehen.