Zur Diskussion um Hirntod-Kriterium und Organtransplantation: Eine unverständliche Verblendung

Zu meinem großen Bedauern kann ich den Leserbrief von Frau Dr. Elisabeth Leypold (DT vom 25. September 2014) nur als Ausdruck einer unverständlichen Verblendung ansehen, die ich bei allen Gesprächen mit Ärzten, die den Hirntod vertreten, in ähnlicher Weise erlebt habe. Wenn es nicht genügt, dass die Erfinder des Hirntods persönlich und öffentlich zugegeben haben, dass die Anwendung des Hirntodkriteriums die Tötung des Spenders einschließt, dann ist die weitere Diskussion unmöglich. Im Hastings Center Report 38, Nr. 6, 2008, haben die Erfinder des Hirntods, Professor Truog und Professor Franklin Miller, einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel: „Rethinking the Ethics of Vital Organ Donation“. Sie geben zu, dass „the practice of brain death in fact involves killing the donor“. Daher müsste die „dead donor rule“ aufgegeben werden. Das Töten des Patienten durch Organentnahme sollte als „justified killing“ angesehen werden.

In dem vom ad hoc Komitee der Harvard Medical School 1968 eingeführten Hirntodkriterium ging es erklärtermaßen darum, vitale Organe gewinnen zu können. Vitale Organe können aber nur von einem vitalen Organismus gewonnen werden, nicht von einer Leiche. Das Hirntodkriterium sollte das möglich machen. Und nun erklären die Erfinder selbst, was das im Klartext bedeutet. Nur ein „justified killing“, ein gerechtfertigtes Töten, kann es nicht geben. Das hat Papst Johannes Paul II. bereits am 14. Dezember 1989 bei einem von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften veranstalteten Kongress gesagt. Er sagte, „dass jenes Leben, dessen Fortsetzung mit der Entnahme eines lebenswichtigen Organs unmöglich gemacht wird, das einer lebendigen Person ist, während doch der dem menschlichen Leben geschuldete Respekt es absolut verbietet, dieses direkt und positiv zu opfern, auch wenn dies zum Vorteil eines anderen Menschen wäre, bei dem man es für berechtigt hält, ihn derart zu bevorzugen“.

Frau Dr. Leypold bemängelt, dass ich einen anderen Text von Papst Johannes Paul II. vom Jahre 2000 nicht berücksichtigt habe, den Josef Spindelböck publiziert hat. Was Frau Leypold nicht wissen konnte, ist der Umstand, dass ich damals Mitglied des Consiglio direttivo der Päpstlichen Akademie für das Leben war. Ich habe es miterlebt, wie es zu diesem Text kam und was die Reaktion von Papst Johannes Paul II. war, als ihm führende Wissenschaftler ihre Bedenken gegen diesen Text mitteilten. Der Papst musste erkennen, dass die Päpstliche Akademie für das Leben ihm einen schlechten Dienst erwiesen hatte. Der Text war in Abwesenheit von Kardinal Ratzinger der Glaubenskongregation vorgelegt worden, die noch Korrekturen am Text vornahm. Kardinal Ratzinger sagte mir nach seiner Rückkehr nach Rom, dass er diesen Text niemals hätte durchgehen lassen. Aber genau auf diesen Text will sich Frau Leypold stützen. Der Text wurde dem Papst kurz vor seiner Ansprache zugeleitet und die Ansprache wurde gehalten. Dann kamen jedoch die großen Bedenken von Wissenschaftlern besonders aus USA. Der Papst hat zur Korrektur der Aussagen vom Jahre 2000 einen eigenen Kongress einberufen lassen. Dieser Kongress ist im Februar 2005 zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass der Hirntod nicht den Tod des Menschen bedeutet. Aber ich weiß, dass Arzte, die den Hirntod vertreten, gegen alle diese Fakten immun sind.

Der Hirntod muss eben um jeden Preis den Tod des Menschen bedeuten, denn sonst ist die Transplantationsmedizin erledigt. So leid es mir tut, muss ich um der Wahrheit willen meinerseits den Ausführungen von Frau Dr. Leypold entgegentreten, damit nicht der Eindruck entsteht, dass Frau Dr. Leypold meine Aussagen als unzutreffend erweisen konnte. Ich bin zwar kein Arzt, aber ich darf mich auf die Aussagen höchstrangiger Fachleute stützen.