Zur Diskussion über den Neubau der Propsteikirche in Leipzig: Steingewordene Liturgie

Wie mir scheint, kreist die Diskussion über die Propsteikirche in Leipzig vor allem um die Frage, welche Glaubensinhalte ein Kirchenbau auszudrücken habe. Als Architekt darf ich dazu anmerken, dass Architektur keine Ausdruckskunst ist. Sie bildet nichts ab, stellt nichts dar und transportiert auch keine Botschaften. Architektur ist gebauter Lebensraum, und dieser stellt dar was er ist. Ein Wohnzimmer drückt den Vorgang des Wohnens nicht aus, es gestaltet ihn.

Analog dazu hat ein Sakralbau die Verehrung Gottes nicht auszudrücken, sondern zu sein. In der katholischen Kirche wird Gott bekanntlich durch das Opfer Christi verehrt. Für ein katholisches Kirchengebäude folgt daraus, dass es den liturgischen Vollzug des Opfers gestaltet und dadurch Verehrung nicht ausdrückt, sondern ist. Einfach gesagt, katholische Architektur ist gebaute Liturgie. Und gebaute Liturgie ist gebautes Gebet. Deswegen ist ein Sakralbau zuerst nach seiner Glaubensübereinstimmung und erst dann nach seiner architektonischen Qualität zu beurteilen.

Glaubenstreue ist Sache des kirchlichen Lehramtes, gute Architektur die der Architekten. Daher sollten Streitigkeiten um Glaubensinhalte in dieser Diskussion nicht den Architekten angelastet werden. Umgekehrt sind Bauvorgaben der Kirchenführung als Ausübung ihres Lehramtes anzuerkennen. Wenn sie heute den Umweltschutz betont oder die Positionierung von Altar und Tabernakel ändert – sie wird ihre Gründe dafür haben. In diesem Sinne drückt Architektur dann doch etwas aus.

Mit herzlichen Grüßen und bestem Dank für die spannenden Diskussionen.