Zur Diskussion über Sonntagspflicht, die Liturgie und das katholische Liedgut : Jede Zeit hat ihren eigenen Geschmack : Die optimale Informationsquelle

Ehepaar Grimm (Leserbrief „Zettelwirtschaft am Altar ersetzt Messbuch“, DT vom 10. August) ärgert sich offensichtlich sehr über die Interpretation von Abt-Primas Wolf zur Sonntagspflicht. Nun, ich habe diese Äußerung mit großer Gelassenheit hinnehmen können, zumal ich seiner Argumentation zustimmen konnte. Aber ich möchte dieser Argumentation hinzufügen: Sind wir nicht inzwischen in unserer säkularisierten Gesellschaft so weit gekommen, dass wir nicht mehr von einer Sonntagspflicht sondern vielmehr von einem Sonntagsrecht sprechen sollten? Immer wieder ist der freie Sonntag in Gefahr, aufgelöst zu werden. Wir sollten für unser Recht streiten anstatt über Pflicht zu streiten.

Zum „Gotteslob“, das ja nun schon bald abgelöst wird durch eine Neuausgabe, auf die wir sehr gespannt sein dürfen: Das sogenannte neue geistliche Liedgut, das darin zu finden ist und inzwischen schon mehr 40 Jahre auf dem Buckel hat, hat mich immerhin durch meine Jugend begleitet (ich bin 41 Jahre alt) und ich habe manches Lied, das ich heute belächele, damals in voller Inbrunst begeistert mitgesungen. Nichts ist so schnelllebig wie das Liedgut, und nichts kann und darf und soll so häufig ausgewechselt werden, denn jede Zeit hat ihren eigenen Geschmack und Charakter. Ich kann mit Mozart, Haydn und Schubert nicht viel anfangen, bin eher Fan vom heutigen neuen geistlichen Liedgut, vor allem dem Lobpreis der charismatischen Erneuerung. Aber man sollte offen sein und mit der gleichen Inbrunst mitsingen, auch wenn einem die Musikrichtung nicht gefällt. Einzig und allein zur Ehre Gottes sollen wir in der Liturgie singen und spielen, nicht für uns! Deshalb singe ich auch gerne mal das Schubert-Heilig mit, auch wenn es für meine Ohren „schmalzig“ klingt. Dass die Liturgie in der Heimatsprache gefeiert wird, ist für mich, die ich nie Latein gelernt habe, ein sehr großer Gewinn. Und sehr wohl kann ich in jedem Ausland die Heilige Messe mitfeiern und den Ablauf verfolgen, kann ich doch die feststehenden Gebete auswendig (in deutsch!) und bin mit dem Ablauf sehr vertraut („Zettelwirtschaft“ am Altar erlebe ich – Gott sei Dank! – sehr selten). Ich würde mir in der Erstkommunionkatechese auch als ausgebildete Religionspädagogin schwer tun, den Ablauf der Messe zu erläutern und zu begründen, weshalb das alles nur auf Latein geschehen darf. Jesus sprach aramäisch, damit hat es also nichts zu tun. Die Kirche war sehr weise, als sie erlaubte, die Liturgie in der Muttersprache zu feiern. Ich betone, dass ich kein Problem damit habe, wenn ab und zu das eine oder andere Gebet in Latein gesprochen oder gesungen wird. Ich nehme mir dann aber die Freiheit, im Gotteslob die Übersetzung zur Hand zu nehmen und für mich alleine still auf deutsch mitzubeten. Gott hat uns allen eine große Freiheit gegeben. Ich möchte sie niemandem streitig machen. Und erst recht nicht möchte ich, dass mir die Freiheit genommen wird.

Ich gehe gerne zur Heiligen Messe, auch werktags. Und ich liebe die ordentliche Feier der Liturgie. Auch dann noch, wenn mal der gregorianische Choral auf lateinisch gesungen wird – auch wenn ich dann traurig bin, weil ich nicht mitsingen kann. Ich lasse jedem die Freiheit, die außerordentliche Form der Liturgie der ordentlichen vorzuziehen, und die Freiheit, der Vergangenheit nachzutrauern, in der sicher auch nicht alles Gold war, was glänzte. Ich erwarte aber auch, dass anderen Katholiken die Freiheit gelassen wird, sich in der heutigen Form der Liturgie beheimatet zu fühlen.

Dem Lob der „Tagespost“ in vielen Leserbriefen möchte ich mich anschließen. Für uns Katholiken in Thüringen und sicher auch in den anderen „neuen“ Bundesländern ist „Die Tagespost“ die optimale und umfassende Informationsquelle über unsere Kirche und das kirchliche Leben, über die aktuelle Politik, Kunst und Literatur. Die Berichte vom Weltjugendtag und die Papstansprachen waren, wie von der „Tagespost“ nicht anders gewohnt, einmalig.

Ich möchte noch einiges zum Liedgut im „Gotteslob“ bemerken, weil im Leserbrief „Zettelwirtschaft am Altar“ dazu Stellung genommen wird (DT vom 10. August). Es wäre sehr schade, wenn im neuen Gotteslob nicht mehr die „alten“ Lieder enthalten wären. Von diesen Liedern stammen viele aus der Zeit des 30-jährigen Krieges und danach, also aus einer schweren Zeit. Sie haben auch heute nicht ihre Aussagekraft verloren.

Dass es Streit geben kann um die von unserem ehemaligen Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus befürwortete lateinische Messe, die wir seit Jahrhunderten kennen, hätte ich nie für möglich gehalten, ebenso solche Zustände, wie sie im Leserbrief „Wo der Glaube fehlt, wird die Messfeier beliebig“ geschildert werden (DT vom 13. August). Wäre es nicht an der Zeit, dass unsere Bischöfe einem solchen Treiben Einhalt gebieten und wieder Klarheit schaffen, worum es bei unserem katholischen Glauben geht?