Zur Diskussion über Sinn und Funktion des Zölibats in der katholischen Kirche: Wer anklopft, dem wird aufgetan: Es gibt nur wenige Arbeiter

Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) wünscht sich weibliche Diakone und verheiratete Priester. Ich habe den Eindruck, in der „Glück“-losen neuen Ära kommt diese altersschwache Lokomotive aus ihren alten, verrosteten Gleisen immer noch nicht heraus. Aber Qualm verbreitet sie wie eh und je und vernebelt damit die Umwelt und die Gedanken derer, die sich solche über den Priestermangel machen sollten. Weshalb diese ewigen, altbackenen Forderungen? Durch deren dauernde Wiederholungen werden sie nicht sinnvoller.

Man mag mich eines Besseren belehren, aber ein Blick in die evangelische Kirche zeigt überdeutlich, dass auch dort die gleichen Sorgen vorherrschen, obwohl Frauen dort Priester, ja sogar Bischof werden können und Priester heiraten dürfen. Will das denn niemand sehen und wahrhaben?

Leider steht das ZdK nicht allein auf weiter Flur: Zahlreiche Stimmen, besonders in der deutschen katholischen Kirche von weit oben bis ganz unten, singen ebenfalls dieses Lied. Der Priestermangel hier hat wahrlich erschreckende Ausmaße angenommen und die wenigen Priester, die die Fahne hochhalten, rackern sich bis zu ihrer Erschöpfung ab, damit sie die ihnen anvertrauten Gemeinden wenigsten einigermaßen betreuen können. Kein Wunder, wenn immer mehr dieser geweihten Männer das Handtuch werfen (etwa Frings in Münster). Und eine Perspektive für die wenigen, die sich berufen fühlen, ist das schließlich auch nicht. Muss das denn sein? Gibt es ohne die Forderung des ZdK kein Entrinnen? Ich denke doch! Weder die deutsche Bischofskonferenz, noch das ZdK, noch alle die Vielen, die sich diesen Forderungen anschließen, scheinen das Neue Testament zu kennen. Dort steht es nämlich schwarz auf weiß: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ (Matthäus 7,7–8)

Weshalb wird denn so wenig, leider fast überhaupt nicht für Priesternachwuchs gebetet? Stattdessen großes Händeringen und Palavern und immer wieder die sattsam bekannten vorgebrachten Klagen. In jeder Heiligen Messe ließe sich doch ein spezielles Gebet zu diesem Anliegen sprechen. Soviel Zeit muss sein! Und ich bin sicher: Christus wird uns erhören! Aber er muss erst mal selbst etwas hören; nämlich unsere Gebete.

„Die Krise unserer Kirche in einer sich so rasant verändernden (Welt-)Gesellschaft ist umfassender und reicht tiefer, als dass sie vor allem durch eine Veränderung des Zugangs zum Priesteramt entscheidend behoben werden könnte. Der Mangel an Berufungen junger Menschen zum Priesteramt – genauso wie zu anderen pastoralen oder auch geistlichen Berufen – ist ebenso Symptom dieser Krise, wie der Rückgang der Zahl der Gottesdienstbesucher oder der Menschen, die verschiedenste kirchliche Dienste in Anspruch nehmen.“ Mit diesen Worten beschreibt Kardinal Woelki zutreffend die derzeitige Situation der Katholischen Kirche in Deutschland. Von daher halte ich es auch für wenig hilfreich, dass das ZdK jetzt wieder die Debatte über den Zölibat entfacht. So sehr ich die Sorge von Prof. Thomas Sternberg, des Präsidenten des ZdK, über den Priestermangel in Deutschland nachvollziehen kann, so wenig sind seine Vorschläge geeignet, das Problem dauerhaft zu lösen. Im Übrigen halte ich es auch für deplatziert, wenn sich Politiker in diese Debatte einschalten. Hier geht es um innerkirchliche und pastorale Fragen, die von Außenstehenden – und schon gar nicht von der Politik – gelöst werden können.

Wie will man im Übrigen die „Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen“ wirklich verstehen, wenn man das Amt eines Priesters nur als einen „Job wie jeden anderen“ wahrnimmt? Wenn jemand nicht daran glauben kann, dass man zum Priester letztlich durch Gott berufen wird und dies eben nicht allein aus eigener Kraft geschieht, dann wird man schnell zu vordergründigen Lösungen kommen. Michael Maas, Direktor des Zentrums für Berufungspastoral in Freiburg, trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er in einem Interview mit katholisch.de sagt: „In einer stärker säkular werdenden Welt brauchen wir zunehmend Christen, die sich in den Pfarreien, in den neuen geistlichen Gemeinschaften, in den Orden zu Gebetsgruppen treffen, sich vernetzen, gegenseitig stärken und sich ihres eigenen Glaubens vergewissern. Als einen der wichtigsten Aspekte erachte ich daher tatsächlich das Gebet. Denn Berufungen können wir letztlich nicht machen, sondern nur von Gott erbitten. Damit gilt, was Papst Franziskus in seiner Ansprache beim Ad-Limina-Besuch der deutschen Bischöfe gesagt hat: ,Die Berufungspastoral beginnt mit der Sehnsucht nach dem Priester im Herzen der Gläubigen.‘“ Auch Jesus hat es seinerzeit schon klar formuliert, wenn er feststellt: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Lk 10,2). Die Frage ist also: Glauben wir als Christen überhaupt noch an die Kraft des Gebetes?

Unabhängig davon begrüße ich das Pilotprojekt des Erzbistums Köln, durch den Einsatz von hauptamtlichen Verwaltungsleitern insbesondere die Pfarrer vor Ort von administrativen Arbeiten zu entlasten, um so Freiräume für die Seelsorge in der Gemeinde zu schaffen. Das ist genau der richtige Weg. Nur so können sich die Priester wieder ihrer ureigenen Aufgabe widmen und müssen sich nicht mit Personalproblemen oder Bauprojekten beschäftigen. Gleichzeitig muss aber sichergestellt sein, dass der jeweilige Verwaltungsleiter dann auch in seinem Bereich gegenüber dem Kirchenvorstand die Verantwortung hat und nicht mehr der Pfarrer. Nur so ist letztlich eine wirkliche Entlastung gegeben.