Zur Diskussion über Krise und Erneuerung der katholischen Kirche : Wie Petrus Canisius mit den Reformen beginnen

„Fangen wir endlich an mit der wahren Reform!“ So ruft Petrus Canisius den Bischöfen und Priestern zu in einer Zeit, in der es einen ähnlichen Glaubensabfall und eine Verwirrung gab wie heute. Er meinte damit nicht eine Reform, wie es heute weite Kreise der Theologen meinen. Er meinte, dass endlich begonnen werden muss mit der Erneuerung des Glaubens, wie wir es aus seinen Briefen erfahren.

Canisius sieht die Not der Kirche und ihre Probleme, gibt klare Antworten und zeigt herausführende Wege auf. Er hält nichts von billigen Kompromissen: „Kompromisse beschleunigen nur den Untergang der Religion!“ Neben den Häresien tragen die „völlige Unwissenheit im Glauben, die Unkenntnis der Kirche und deren Verachtung die Schuld, dass die Zahl der Katholiken von Tag zu Tag kleiner wird“, sagte er. Die Unwissenheit im Glauben ist in allen deutschsprachigen Ländern erschreckend: Jahrzehnte schon wird im Religionsunterricht nur ein Bruchteil des Glaubens verkündet. In den Schulen werden den Kindern, unter den Augen der Bischöfe, Schulbücher angeboten, die nur einen Bruchteil des Glaubens enthalten, einschließlich einer höchst fragwürdigen Eucharistielehre. Statt ihnen die Liebe zur Kirche einzupflanzen und ihnen ein frohes gläubiges Selbstbewusstsein zu vermitteln, werden sie vollgestopft mit Lehren von Islam, Buddhismus, Hinduismus et cetera. Von der Oberflächlichkeit der offiziellen kirchlichen Medien ist ganz zu schweigen.

Canisius sah die Misere der Kirche: „Mit Wissen und Willen gehen wir zugrunde, wenn wir uns nicht ernstlich auf den schlimmen Zustand Deutschlands besinnen, das jetzt auf den Tod krank und rettungslos verloren danieder liegt, ebenso auf die dafür notwendigen Gegenmittel.“ Und: „Wir müssen uns zwischen den beiden Möglichkeiten entscheiden, entweder unseren Glauben zu verteidigen und zu erneuern, oder ihn – zu unserer Schande – aufgeben!“ Wir erfahren aus seinen Briefen, wie unermüdlich und vielseitig er sich für die Erneuerung der Kirche einsetzte: Er arbeitete in der Seelsorge, mühte sich, dass Seminare entstanden, in denen die Jugend wieder im katholischen Glauben erzogen wurde, regte Synoden an und half, Nuntiaturen zu errichten. Er tadelte Klerus und Bischöfe mit scharfen Worten, wenn sie einen üblen Lebenswandel führten oder die Bischöfe ihre Hirtenpflicht versäumten und „alles laufen ließen“. Er klagte: „Man muss fürchten, dass menschliche Rücksichtnahme und Liebedienerei viele Prälaten daran hindern, sich dessen richtig bewusst zu werden, welch wachsame Sorge und einzigen Eifer sie eigentlich für Christus, für seine Kirche und für die ihnen anvertraute Herde heutzutage zeigen müssten. Es geht ja darum, Wölfe abzuwehren, das heißt den Glauben zu schützen und wenigstens einmal anzufangen mit der „wahren Reform der Kirche“.

Für ihn war der wichtigste Weg, diesen Missverständnissen beizukommen, die Abfassung seiner Katechismen, die allen wieder den unverfälschten Glauben vermitteln sollten. Er bat: „Weichet in keinem Stück von dem wahren und immer gleichbleibenden Glauben ab, sondern harrt in Einheit und Gehorsam gegenüber der apostolischen, römischen Kirche mit Eifer aus!“ Und „wehe denen, durch die der Rock Christi und die Einheit des Glaubens zerrissen wird und falsche Lehren eindringen.“

Seine besondere Klage war es, dass man aus Hochmut nicht mehr auf den Papst hören wollte. Fangen wir endlich an mit der wahren Reform, ruft Petrus Canisius auch uns zu. Er hat sicher seine ihm von Gott auferlegte Sorge um Deutschland auch im Himmel nicht an den Nagel gehängt.

Es geht um echte Reform, nicht um eine Kölner und Luzerner Erklärung oder das aktuelle Memorandum der Theologen. Der Heilige Vater zeigt uns den Weg, der zur Bekehrung des eigenen Herzens und zum demütigen Dienst in der Kirche mahnt, wo immer auch unser Platz ist. Lieben wir die Kirche, die unsere Mater et Magistra ist. Rufen wir täglich den Erzengel Michael und Petrus Canisius an, den zweiten Apostel Deutschlands und empfehlen wir ihnen inständig den Besuch des Heiligen Vaters in Deutschland.