Zur Debatte um die Zukunft des Zentralkomitees der deutschen Katholiken: Wer nicht an die Spitze gehört: Nichts Neues vom ZdK: Es braucht Platz für Querdenker: Gute Absichten im Gebet begleiten

Legt endlich die Karten auf den Tisch! Wie lange will man im ZdK und in der Kirchenpresse um den heißen Brei der Nachfolge im Amt des ZdK-Präsidenten herumreden? Im Beitrag von ZdK-Vizepräsident Dr. Christoph Braß (DT vom 8. August) wie auch im Leitartikel von Markus Reder in der gleichen Ausgabe ist darüber kein Wort zu finden. Sozusagen die Schelle hat dankenswerterweise Professor Dr. Friedrich Strauch im Leserforum der DT vom 4. August dem ganzen Problemkreis zur Nachfolge an der ZdK-Spitze angehängt. Kennern stellt sich doch die Frage: Warum haben sich deutsche Bischöfe – wohlbemerkt nicht die Bischöfe – in einer demokratischen geheimen Abstimmung gegen ZdK-Vize Dr. Heinz-Wilhelm Brockmann als Amtsnachfolger von Professor Meyer ausgesprochen?

Im ganzen deutschen Orbis catholicus wird als Grund bislang für die Ablehnung aus der Bischofskonferenz nur Brockmanns Mitgliedschaft im Verein „Donum Vitae“ öffentlich angeführt. Weshalb das frühere, langjährige Engagement Brockmanns als Herausgeber von „Publik-Forum“ nach Ende der von den deutschen katholischen Bischöfen geförderten Wochenzeitung „Publik“ bislang fast total in der öffentlichen Diskussion verschwiegen worden ist, stimmt nachdenklich. Wenige werden sich daran erinnern, wie 1978 Herausgeber von „Publik-Forum“, Brockmann, mit Paukenschlägen beim Freiburger Katholikentag die Forderungen nach finanzieller Unterstützung seines Blattes durch die Deutsche Bischofskonferenz präsentiert hat. In wahrlich bester Erinnerung sind mir die Katholikentage und evangelischen Kirchentage, bei denen sich, von Brockmann nachdrücklich gefördert, die ideologische Zusammenarbeit von „Publik-Forum“ und „Kirche von unten“ mit zum Teil völlig unausgegorenen Forderungen an die römisch-katholische Kirche als Stimmungsmotor für die veröffentlichte Meinung betätigt hat. Wer von diesen Hintergründen weiß, die auch nicht leichtfertig von „Jugendsünden“ (so „Publik-Forum“) ablenken kann, wird verstehen, warum mutige deutsche Bischöfe zur Kandidatur Brockmanns Njet sagten.

Und was die Zukunft anbetrifft im ZdK: Ich bin sehr einverstanden mit Alois Glück als ZdK-Präsident, wie es der Vorsitzende des Bayerischen Landeskomitees der Katholiken, Schmid, vorgeschlagen hat – allerdings mit der Vorbedingung: Glück tritt bei „Donum Vitae“ aus.

Dem Verfasser der Erwiderung „Ruhe ist keine christliche Tugend“ (DT vom 8. August) ist zu danken. Sie bringt Klarheit in die Diskussion und das ist immer hilfreich. In wichtigen Punkten bestätigt sich der Widerspruch, den das ZdK zunehmend erfährt. Und diese mangelnde Zustimmung und Legitimation seitens der Basis hat sich das ZdK in jahrelanger Oppositionsarbeit mühsam erarbeitet. Die sachliche Kritik von Gräfin Plettenberg und vieler Leserbriefschreiber perlt am ZdK und seiner Führung offensichtlich ab. Im Grunde schmettert der Beitrag alle kritischen Inhalte ab und zeigt sich uneinsichtig in der Verteidigung der ZdK. Dieses Verharren in einbetonierten Positionen ist es wohl, was viele ZdK-Kritiker wenig hoffnungsvoll stimmt und resignierend die Forderung des Mittelentzuges oder der Auflösung stellen lässt.

Das in der Erwiderung dokumentierte Beispiel „Donum Vitae“ sei hier hervorgehoben. Herr Dr. Braß erwartet Respekt vor seiner Gewissensentscheidung für „Donum Vitae“. Respekt heißt aber nicht Zustimmung, denn Gewissen können bekanntlich irren. Die ZdK-Kritiker erwarten Respekt vor ihrer Auffassung, dass dieses vergiftete „Geschenk“ mit der Lehre und Gemeinschaft der Kirche nicht vereinbar ist. „Donum Vitae“ wurde leider neben der Instrumentalisierung zur Tötung ungeborener Kinder zu einem Werk der Spaltung und zu einem Zeugnis des Ungehorsams und der Illoyalität. Wie will man so Sprachrohr der katholischen Kirche hierzulande sein?

Nach dem zu recht gescheiterten Kandidaten Brockmann soll nun der „Donum Vitae“-Unterstützer Alois Glück in den Ring. Dies kann man nur als unerträgliche Provokation verstehen. Hoffentlich bleiben die Bischöfe standhaft in ihrem Kurs. Das ZdK muss die eigenen Regeln respektieren, nachgeben und einen unumstrittenen Kandidaten präsentieren. Hier ist Herrn Dr. Braß zuzustimmen, dass solches nicht immer leichtfällt und „Demut gefordert“ ist.

Auch sollte der Vizepräsident seinerseits auf die „Verbreitung von Zerrbildern“ und „durchsichtigen Unterstellungen“ verzichten. Demnach soll das ZdK weltoffen, missionarisch, Sauerteig sein, wohingegen Herr Braß den ZdK-Kritikern bescheinigt, sich in das Schneckenhaus frommer Selbstgenügsamkeit, ein selbsterrichtetes Ghetto und aus der Weltverantwortung zurückzuziehen: Sehen so Respekt und Dialogbereitschaft aus? Denn Weltauftrag, missionarische Kirche, Sauerteig, Zeugnis, Bekennertum und Freude am Glauben, der in die Welt hineinstrahlen soll, das ist aktiven und informierten Tagespostlesern nun wirklich nicht abzusprechen. Es kommt halt darauf an, dass die öffentlichen Botschaften im Namen unserer Kirche nicht vielstimmig und widerstreitend sind, sondern in Einheit und Schulterschluss mit dem Heiligen Vater und den Bischöfen sowie der katholischen Lehre erfolgen.

Herr Dr. Braß gibt bedauerlicherweise inhaltlich und in der Diktion zu erkennen, dass er und offenbar sein ZdK jegliche Kritik dieser Art nach wie vor ignoriert. Darüber kann auch sein Zitat aus Gaudium et spes 43 nicht hinweghelfen, nach dem „niemand das Recht (habe), die Autorität der Kirche für sich und seine eigene Meinung in Anspruch zu nehmen“. Diese Aussage betrifft die Laien. Das Lehramt dagegen repräsentiert die Autorität der Kirche. Und so ist drei Sätze vorher in diesem Dokument davon die Rede, dass der Laie in christlicher Weisheit die Lehre des kirchlichen Lehramtes berücksichtigen solle.

Wenn das ZdK hin und wieder auch Gutes zustande bringt, dann muss man dies anerkennen. Die Unterschriftensammlung gegen die Spätabtreibung ist eine solche Aktion. Aber was wurde wirklich erreicht? Abgetrieben werden darf immer noch, wenn drei Tage Bedenkzeit abgelaufen sind. Ferner ist die Tabuisierung der generellen und paradoxen Rechtssituation zur illegalen aber straffreien Abtreibung eine weiter klaffende Wunde unserer Gesellschaft. Mit „Donum Vitae“ sendet dieser nicht-katholische Verein letztlich ein Signal der Bestätigung des Systems und nicht des gerechten Widerspruches. Hierfür ist auch das ZdK mitverantwortlich. Zum Schluss sei angemerkt, dass niemand in dieser ZdK-Diskussion die Bedeutung und Aufgabe der Laienräte in den Gemeinden und den Diözesen infrage gestellt hat. Zur Debatte steht die massive Deformation des ZdK-Overheads und sein polarisierender Konfrontations- und Spaltungskurs. Die Väter des ZdK, auch der zitierte geistliche Direktor des ZdK, Prälat Bernhard Hanssler, hätten sich vermutlich in die Reihen der Kritiker von heute eingereiht und strikt mehr Solidarität, Loyalität und Liebe zur Einheit der Kirche eingefordert.

Die Erwiderung auf den „Zwischenruf“ zur Krise des ZdK („Ruhe ist keine christliche Tugend“, DT vom 8. August) spricht mir aus dem Herzen. Auch ich bin eine praktizierende Christin, die den Mut hat, sich eine eigene Meinung zu bilden, und ich denke, dass gerade in der katholischen Kirche auch Platz sein muss für „Querdenker“.

Was die Abtreibung betrifft, bin ich der Meinung, dass sie, wo es irgend möglich ist, verhindert werden muss. Sie wird aber nie und nimmer von der Welt verschwinden. Gäbe es „Donum Vitae“ nicht, würde man die unentschlossenen Frauen gleich in die Arme der Organisationen treiben, die im gleichen Gebäude, in dem beraten wird, auch ihre Abtreibungspraxis haben. Und wer verantwortet das? Realistischerweise gehen doch die Frauen zu katholischen (diözesanen) Beratungsstellen, die sich für ihr Kind entschieden haben, die aber auf irgendeine Art der Hilfe bedürfen, aber diesen „Schein“ nicht brauchen.

Wer, wenn nicht die Kirchen, soll sonst für das Leben, auch das ungeborene kämpfen? Aber ist man deshalb ein schlechter Christ, eine schlechte Christin, wenn man nicht nur starr in eine Richtung schaut? Abgesehen davon kenne ich einige Mitchristen/-christinnen, die abseits der Öffentlichkeit eine viel liberale Meinung zur Abtreibung haben, als es die offizielle Version darstellt. Ich denke, dass auch das ZdK aus Menschen besteht, die durchaus den Lebensschutz ernst nehmen, die vielleicht aber noch über den Tellerrand schauen und sich zudem Gedanken machen, wie die Menschen eine ungewollte Schwangerschaft verhüten können. Auch das ist wichtig. Für meinen Begriff soll meine Kirche parallel zum einen den Mut haben, Verhütungsmittel als brauchbare Alternative zu erlauben, und zum anderen auch die moralischen Werte zu verdeutlichen. Aber wie und wo will man den neunzig Prozent Taufscheinchristen, die sich längst von der Kirche abgewandt haben, christlich-moralische Werte vermitteln? Vermutlich ist auch das ein Anliegen des ZdK, welches für mich ein unverzichtbarer, christlicher Brückenbauer zwischen den Kirchenoberen und einer schwindenden und leider mehr und mehr desinteressierten Basis ist.

Ich bin dem Vizepräsidenten des ZdK, Herrn Dr. Braß, und der „Tagespost“ sehr dankbar für den ausführlichen Beitrag „Ruhe ist keine christliche Tugend“ (DT vom 8. August). Eine kontroverse Diskussion kann eine Chance sein, die Wahrheit zu erkennen und das Gute zu tun. Ein Christ, der in der Verborgenheit ein Gebetsleben führt, ist wie das Wasser, das aus schroffen Felsen runde Kiesel formt. Das hat nichts mit „frommer Selbstgenügsamkeit“ zu tun, sondern stellt eine besondere Berufung dar. So manchen beruft Gott in die Politik. Unsere Politiker und Komiteemitglieder leisten viel, sie benötigen unser Gebet, das dürfen wir nie vergessen. Dr. Braß zitiert aus Gaudium et spes (43); dort heißt es, dass Katholiken „bei gleicher Gewissenhaftigkeit in der gleichen Frage zu einem anderen Urteil kommen“ können, und dass in solchen Fällen „niemand das Recht (hat), die Autorität der Kirche ausschließlich für sich und seine eigene Meinung in Anspruch zu nehmen“.

Dazu möchte ich aus dem KKK 1755 zitieren: „Die sittlich gute Handlung setzt voraus, dass sowohl das Objekt als auch die Absicht und die Umstände gut sind...“ und KKK 1756 „...Es ist nicht erlaubt, etwas Schlechtes zu tun, damit etwas Gutes entsteht.“ In Exodus 20,13 steht nun mal „Du sollst nicht morden“. Das sind keine „Meinungen“, sondern das ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Alles andere ist ein Holzweg. Die „Umstände“ (KKK 1755) sind für einen Katholiken derzeit weder beim neuen Gesetz zur embryonalen Stammzellforschung, noch zur Spätabtreibung und auch nicht durch Scheinausstellung in der gesetzlichen Schwangerenberatung akzeptabel. Hat der Teufel seinen Fuß in der Tür, wird er weitere Füße nachsetzen, bis ihm die Tür ganz offen steht. Hoffentlich bleibt uns in der Bundesrepublik eine Fuß-in-der-Tür-Entwicklung im Punkt der Sterbebegleitung versus Sterbehilfe erspart. Übrigens, der Teufel hasst das Gebet!

Ich bin überzeugt, dass am Beispiel der Schwangerenkonfliktberatung durch einen Ausstieg von „Donum Vitae“ aus der gesetzlichen Beratung noch viel mehr Abtreibungen verhindert würden. Es wäre ein großes Zeichen für das Leben. Selbstverständlich respektiere ich die Gewissensentscheidung von Herrn Dr. Braß und seine positive Absicht ist hervorzuheben. Ich bin froh, dass auch er hofft und betet. Gerne will ich ihn mit meinem Gebet unterstützen. Ich möchte an alle Leserinnen und Leser appellieren, die gute Absicht des ZdKs im Gebet zu begleiten. Möge ihr Wirken gesegnet sein und noch mehr nach dem Herzen und dem Willen Gottes streben. Ich wünsche mir vom Heiligen Geist erfüllte Christen, die ein Herz und eine Seele sind und einen freundlichen, mit Salz gewürzten Austausch pflegen (vgl. Kol 4,6).