Zur Debatte um den Leserbrief „Gott sei Dank, ich bin Atheist“: Lässt sich Gott beweisen?: Erst allmählich ging mir ein Licht auf: Der Becher der Naturwissenschaft

Zu den Leserbriefen „Es geht um das ewige Heil“ (DT vom 17. Januar) und „Gott sei Dank, ich bin Atheist“ (DT vom 22. Januar): In der Diskussion zum Leserbrief „Gott sei Dank, ich bin Atheist“ (DT vom 22. Januar) von Herrn Dr. Vowinkel vermisse ich in den nachfolgenden Leserbriefen klare Beiträge über die Möglichkeiten und die Gültigkeit der Gottesbeweise. Ist es doch fester Glaubenssatz, dass „Gott, unser Schöpfer und Herr, aus den geschaffenen Dingen durch das natürliche Licht der Vernunft mit Sicherheit erkannt werden kann. De fide.“ Dass uns die katholische Kirche diesen Glaubenssatz vorstellt, sollte uns eigentlich ein Ansporn sein, die Möglichkeiten und die Gültigkeit der Gottesbeweise gegenüber Nichtgläubigen überzeugend darlegen zu können bzw. die Unvernünftigkeit des Nichtglaubens aufzuzeigen. In diesem Zusammenhang finde ich es schade, dass keine weitere Diskussion über den Leserbrief „Es geht um das ewige Heil“ (DT vom 17. Janaur) stattgefunden hat, der gerade diesen Punkt der zwingenden Gültigkeit der Gottesbeweise angesprochen hat. Zitat: „...doch anstatt lähmende Bedenken zu tragen, sollten intellektuelle Katholiken offensiv die zwingende Gültigkeit der Gottesbeweise vertreten und untermauern (wie die Philosophen R. Spaemann und J. Seifert es mit Erfolg tun).“ Zum Thema Atheismus und Utilitarismus verweise ich auf den Ps. 14 ff.

Der Leserbrief „Gott sei Dank, ich bin Atheist“ hat verständlicherweise viele entschiedene Leser-Einsprüche provoziert. Ich finde, dass es dabei wichtig ist, auch die persönliche Situation eines von solcher Sicht überzeugten Autors tiefer zu bedenken. Mich selbst hat eine bedeutsame Erfahrung mit 22 Jahren zu einer Neubegründung meines Lebens geführt; zu einem elementaren Nachdenken, zum persönlichen Beten, zur täglichen Teilnahme an der Messe (schon damals für einen jungen Mann äußerst ungewöhnlich) und schließlich zum Eintritt in den Benediktinerorden, dem ich seit über 50 Jahren angehöre. Meine Erfahrung in diesen Jahrzehnten: erst allmählich ging mir die einzigartige Bedeutung der Gestalt Jesu und die unvergleichliche Öffnung eines völlig neuen Lebens durch jedes seiner Worte auf. Ich weiß zutiefst, dass ein Leben nach seinen Worten eine Erfüllung bringt, der gegenüber Millionen-Einnahmen oder auch wissenschaftliche höchste Anerkennung nur noch geringen Wert haben. Mein Bezug zu Jesus lehrt mich, auch Herr Dr. Vohwinkel nicht verurteilen zu dürfen; er hat das Licht des Glaubens, das kein Mensch sich selber geben kann, (noch) nicht empfangen. Ich wünsche es ihm! Für mich selbst ist die, salopp gesagt, wahnsinnige Intelligenz, die in jedem Millimeter Materie verborgen ist, oder auch unser Kosmos, der selbst wieder nur eine Winziges von unzählig vielen möglichen weiteren kosmischen Welten sein soll, von einer solchen unbegreiflichen Fülle, dass die Annahme einer Zufälligkeit oder Rätselhaftigkeit, woher all diese große Ordnung kommt, nach einer letzten Ursache schreit. Für den Glaubenden ist das Gott, der allerdings auch darin unsäglich groß und anders als alles andere sein muss. Wäre aber Gott nach dem Glauben der Christen nicht eine dreifaltige Wirklichkeit, wäre er dann nicht ein einsames Wesen? Dass einer der Wesen dieser dreifaltigen Gottheit Mensch wurde und zwar nicht vorübergehend, wie in einer Theaterrolle, und dass die Umsetzung seiner Worte in Verhaltensweisen und Taten, wie schon anfangs gesagt, eine gegenüber allem andern unvergleichliche Erfüllung bringt, ist für mich ein Glaubhaftigkeitssiegel, das niemand in der ganzen Menschheitsgeschichte nachweisen kann. All dies ist für mich so überzeugend, dass ich es jedem Menschen wünsche; aber auch niemand verurteilen kann, der noch nicht an ihr teilhaben kann..

Der Physiker Dr. Bernd Vowinkel meint in seinem Leserbrief vom 22. Januar, seinen Atheismus mit Vernunft und Naturwissenschaft begründen zu können. Er sei deshalb an ein Zitat von Werner Heisenberg erinnert. Es lautet: „Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers waret Gott.“ Wenn also Herr Vowinkel geistige Kapazität und Ausdauer genug hat, besteht für ihn noch Hoffnung auf eine bessere Erkenntnis.