Zur Debatte um den Friedensnobelpreis für Kolumbiens Präsidenten: Unbekannte Verhältnisse

In offensichtlicher Unkenntnis der südamerikanischen Verhältnisse wird bereits vorgeschlagen, neben Kolumbiens Präsident Santos, auch dem Chef der linken Farc-Guerilla, Londono, den Friedensnobelpreis zu überreichen. Die Ablehnung des Friedensabkommens seitens einer Mehrheit der Kolumbianer war kein Zufall. Für zu Revolutionsromantik neigende westliche Salonlinke mag der Vorschlag gut klingen, für die Kolumbianer, die jahrzehntelang unter der Brutalität der Farc gelitten haben, würde seine Umsetzung eine Provokation bedeuten. Ihnen erscheint es mehrheitlich als nicht angebracht, Verbrecher, anstatt sie zu bestrafen, auch noch zu belohnen, sei es durch Preise, durch Abgeordnetensitze, oder durch zu weitgehende Straffreiheit. Mord, Erpressung, Entführung und Drogenhandel sind keine Kavaliersdelikte oder rechtfertigungswürdige revolutionäre Taten. Deshalb ist das Votum nachvollziehbar.