Zur Debatte um Rückführung abgelehnter Asylbewerber: Abschiebung oder Heimkehr?

Von „Abschiebung“ lese und höre ich in der „Tagespost“ (DT vom 12. Februar) sowie von „Abschiebezentren“ und „Abschiebemaschinen“. Ich wehre mich gegen diese negativ besetzten Begriffe. Warum? In meinen Augen sollte unsere Aufnahmegesellschaft den Asylbewerber auch an die innere Verpflichtung erinnern, den Gedanken an eine Mitarbeit am Aufbau ihrer Heimat nicht zu vergessen. Vor gut drei Jahren besuchte ich eine Veranstaltung christlicher Flüchtlingshelfer. Neben anderen war auch ein Zahnarzt eingeladen, der aus Syrien geflüchtet war. Er berichtete über einen Dolmetscher von den Gründen seiner Flucht. Die Zuhörer waren ergriffen und wollten dem Zahnarzt helfen, sich in Deutschland eine neue Existenz aufzubauen. Ich fragte ihn, wer denn nun die Patienten in seiner syrischen Praxis versorge. Der Moderator des Abends ließ meine Frage nicht übersetzen mit dem Hinweis, dass die Anwesenden einen Beitrag leisten möchten für die Zukunft des Zahnarztes in Deutschland. Meine Frage sei nicht aktuell. Das Raunen im Saal zeigte mir, wohl die falsche Frage gestellt zu haben.

Dass ich jedoch letztlich genau den Punkt getroffen hatte und habe, las ich im letzten Jahr in den Augen jener Ärzte, welche mit blutverschmierten Kitteln in halb zerstörten Kliniken Aleppos ihre Pflicht erfüllten. Fragten sie nicht schweigend nach ihren Kollegen, die nach Deutschland geflüchtet waren, um sich aus freilich verständlichen Gründen eine sichere und wohl auch lukrative Existenz aufzubauen? Freuen sich möglicherweise Kommunalpolitiker und Ärzteorganisationen über geflüchtete Ärzte, die nach entsprechender Fortbildung den Ärztemangel in Deutschland ausgleichen könnten? Man stelle sich übrigens vor, dass Ärzte aus umkämpften Städten und Kliniken nach Deutschland fliehen, während „Ärzte ohne Grenzen“ etwa aus Deutschland sich dorthin auf den Weg machen? Schlimm ist es in meinen Augen auch, dass Politiker und Flüchtlingsorganisationen Flüchtlinge in der Altenpflege ausbilden möchten, da bei uns ja ein Mangel bestünde! Bilden wir nicht für unsere nationalen Zwecke Menschen aus, die in ihrer teilweise am Boden liegenden Heimat einmal wieder dringend gebraucht werden!