Zur Debatte über den Richtungsstreit der CDU: Den Erwartungen gerecht werden: Adenauer hätte keine Chance: Nicht jammern, sondern anpacken

Seit einigen Monate bin ich zufriedener Leser der Tagespost. Zum Beitrag: „Schavan weist Kritik von Marx zurück“ vom 14. Januar 2010 erlaube ich mir eine kurze Bemerkung. Die CDU-Ministerin Schavan hat die Äußerung des Münchner Erzbischofs Marx: „Jesus Christus müsse im CDU-Grundsatzprogramm zumindest Erwähnung finden“, als unzulässige Vereinnahmung zurückgewiesen. Ein Grundsatzprogramm, das im Titel das „C“ führt, sollte logischerweise den geweckten Erwartungen im nachfolgenden Programmtext gerecht werden und ausführen, inwiefern und warum auf die Botschaft Jesus Christus Bezug genommen wird. Warum verlor die CDU bei den Wahlen im Herbst 2009 unter Katholiken stärker als in anderen Wählergruppen? Sicherlich nicht weil die Katholiken Angst hatten, sich in unzulässigerweise durch Christus vereinnahmen zu lassen.

Zum Interview mit Bernhard Vogel „Chancen sehen statt ständig klagen“ (DT vom 9. Januar): Wer als engagierter Katholik noch Zweifel hatte, ob in der CDU der richtige Platz für ihn ist, bekam von Bernhard Vogel Entscheidungshilfe. Einerseits sagte er, praktizierende Katholiken sollten sich stärker in der Union engagieren. Auf die Frage, ob ihn die Gründung des Arbeitskreises Engagierter Katholiken (AEK) überrascht habe, antwortete Vogel: „Nein. ... Erst recht haben mich die Personen, die sich da zusammengefunden haben, nicht überrascht. Man kennt sie und man kennt ihre Ansichten.“

Eine solche Wortwahl benutzt man gegenüber Personen, die man nur mit der Kneifzange anpacken und in die Ecke stellen will, nicht aber gegenüber Parteifreunden und Glaubensbrüdern. Verblüffend ist auch, wie sich Vogel als alter ego Konrad Adenauers geriert. Zur AEK-Gründung behauptet er: „Konrad Adenauer hätte mit Sicherheit die Stirne gerunzelt.“ Und zu dem Schwund von Katholiken in der CDU: „Ich bin mir ganz sicher. Konrad Adenauer hätte im Herbst dieses Jahres CDU gewählt.“ Ich wage zu bezweifeln, ob Konrad Adenauer in der real existierenden CDU überhaupt eine Chance bekommen hätte, als Kandidat für den Bundestag aufgestellt zu werden.

Dem Gejammer um eine christlich-konservative Erneuerung in CDU/CSU sollten mehr Aktivitäten folgen. Hoffnungsträger ist die Junge Union. Die Entscheidung des Menschenrechtsgerichtshofs der Europäischen Union zum Kruzifix und der muslimische Gebetsraum in der Berliner Schule sind nicht als Betriebsunfälle zu bezeichnen, sondern hausgemachte Werteverschiebungen christlicher Standpunkte. Die Rückkehr zu den katholischen Grundwerten ist nicht nur zu fordern, sondern in die Tat umzusetzen.