Zur Besprechung des Buches „Die Bibelfälscher“ von Neutestamentler Klaus Berger : Historisch-kritische Glaubenszerstörung

Die allzu abwägende Stellungnahme von P. Wolfgang Buchmüller OCist zu der neuen Veröffentlichung von Klaus Berger über „die Bibelfälscher“ (DT vom 12. September S. 6) wird der Glaubenszerstörung, welche die historisch-kritische Exegese gerade in den letzten fünfzig Jahren angerichtet hat, nicht gerecht. Buchmüller erweckt den Eindruck, es sei nicht zuletzt auch Temperamentsache, wie man sich zur historisch-kritischen Exegese stelle und deshalb schieße auch Berger mit deren Kritik über das Ziel hinaus. Tatsächlich ist diese scheinbar voraussetzungslose Exegese von einer beispiellosen Voreingenommenheit, die in der Voraussetzung besteht, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

In diesem Sinne werden die Gottheit Christi und seine Sendung als Erlöser, seine Selbstbekenntnisse als Gottes Sohn und seine Wundertaten konsequent als spätere „Interpretamente“ erklärt, die in den ursprünglichen Texten keine Grundlage finden. So kommt Kardinal Brandmüller in der DT vom 30. Mai 2009 zu der Feststellung: „Eine nicht geringe Anzahl von Neutestamentlern ist davon überzeugt, dass Joseph der Vater Jesu sei und dass das leere Grab am Ostermorgen ein Interpretament und keineswegs eine historische Tatsache sei. Gleiches gilt von den im Neuen Testament berichteten Wundertaten. Und nach der wesenhaften Gottessohnschaft Jesu Christi befragt, würden nicht wenige ausweichende Antworten geben.“

Typisch für diese scheinbar voraussetzungslose Einstellung, die nach dem Motto: „wie man in den Wald hineinruft, so schallt es aus ihm heraus“, regelmäßig zu den gewünschten Ergebnissen kommt, ist der Artikel des renommierten Wiener katholischen Exegeten Jacob Kremer in den „Stimmen der Zeit“ (1994/8): „Was Jesus eigentlich wollte und heute will“. Kremer kommt zu dem Ergebnis: „Inwieweit Jesus während seines irdischen Wirkens an dessen Fortführung nach seinem Tod durch die Jünger in einer ,Kirche‘ dachte und sie darauf konkret vorbereitete, ist nicht leicht festzustellen, wurde aber früher aus einer unkritischen Lektüre heraus meist gefolgert.“ Gestützt auf diese Art von Exegese kommen katholische Theologieprofessoren wie Karl-Josef Kuschel in Tübingen zu der ebenfalls heute immer wieder anzutreffenden Relativierung der Gottheit Christi: „Die nachösterliche Rede von Jesus als Gottessohn hat ihren Sachgrund nicht in Jesu ,göttlichem Wesen‘, nicht in einer präexistenten Gottessohnschaft, sondern in der Praxis des irdischen Jesus selber: in seiner einzigartigen Beziehung zu Gott“ (In: Heute glauben. Bd. 7 der „Freiburger Akademieschriften. Hrsg. Von der Kathol. Akademie der Erzdiözese Freiburg. Patmos-Verlag). In Weiterführung dieser Gedanken hören wir von katholischen Theologen heute ebenso häufig, die Jünger seien derart „fasziniert“ gewesen von „Jesus“, dass sie ihm die entsprechenden göttlichen Hoheitstitel gaben!

Logischerweise ist dann auch die Jungfrauengeburt keine biologische Tatsache mehr, sondern nur Ausdruck der inneren Reinheit Mariens, wie uns – ebenfalls stellvertretend für viele – der Tübinger Dogmatiker Bernd-Jochen Hilberath vor einiger Zeit sinnigerweise zu Weihnachten in der hiesigen „Offenbach-Post“ versicherte. Aber nach dieser „Logik“ wäre auch schon jede fromme katholische Hausfrau und Familienmutter, die sich treu an die Gebote hält, mit der Jungfrauengeburt gesegnet.

P. Buchmüller glaubt, vor dem „Fundamentalismus“ und hier vor einer wörtlichen Rezeption des Genesis-Berichtes warnen zu müssen. Doch man sollte endlich einmal aufhören, ständig vor dem „Fundamentalismus“ zu warnen: wird doch dieses Schlagwort heute ebenfalls regelmäßig dazu verwandt, diejenigen zu brandmarken, die noch vollinhaltlich all das glauben, was uns die heilige Kirche zu glauben vorstellt!

Im übrigen dürfte es wohl keinen vernünftigen Menschen geben, der daran zweifelt, dass die Genesis sich einer Bildersprache bedient und daher nicht wörtlich zu nehmen ist. Und was den „Affenprozess“ betrifft, den Buchmüller erwähnt, der 1925 in Tennessee geführt wurde, so hat die Frage, ob der Mensch vom Affen abstamme, nichts, aber auch gar nichts mit einer unkritischen oder kritischen Exegese zu tun! Vielmehr handelt es sich um eine Frage des gesunden Menschenverstandes, der sehr rasch zeigen kann, dass die Ersetzung der Schöpfungsgeschichte durch die Abstammungslehre auf einer petitio principii, das heißt einer Voraussetzung dessen beruht, was erst zu beweisen wäre. Nur wenn ich von vorneherein davon ausgehe, dass der Mensch ein rein biologisches Wesen und nichts als ein tierischer Organismus sei, kann ich ihn allein aus der Abstammungslehre erklären. Sollte er aber auch ein geistig bestimmtes Wesen und mithin im Besitz einer geistigen Seele sein, so ist die darwinistische Erklärung obsolet.