Zur Auseinandersetzung über Betreuungsgeld, Krippenerziehung und frühkindliche Bildung: Lobbyinteressen siegen über Kindeswohl

Sehr zutreffend ist die Behauptung in Ihrem Artikel „Die Risiken der Krippenbetreuung“ vom 12.06.2012, dass man heute nur noch vom Recht der Eltern auf die Inanspruchnahme eines Krippenplatzes redet. Mir wird zudem immer bewusster, dass es sich bei der Findung eines gesellschaftlichen Konsenses vorrangig um die Befriedigung der Interessen einzelner Lobbyisten und Lobbyistinnen handelt und es nicht mehr um das eigentliche Wohl des Kindes geht. Wäre es einem 1–3-jährigen Kleinkind oder Säugling geistig und sprachlich möglich, wie würde es wohl auf die Frage antworten, ob es lieber besser zu Hause oder im Hort „betreut“ werden möchte? Kann sich der Staat ernsthaft auf einen „Bildungsauftrag“ berufen, wenn er gleichzeitig entsprechend dem Vorschlag von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erwägt, zur Deckung eines akuten Personalmangels in Kinderhorten, Langzeitarbeitslose einzusetzen?

Ohnehin: Was gibt es an einem einjährigen Kind staatlicherseits schon zu „bilden“? Erinnert das nicht wirklich an den von Autorin Kerstin Götze in Ihrem Buch „Kinder brauchen Mütter“ ins Spiel gebrachten Sozialismus? Warum schaffen wir es in unserer Demokratie und trotz Wohlstands nicht, endlich klare und nachhaltige Akzente für unsere Familien zu setzen, so wie es unsere Verfassung fordert? Warum setzen wir Kinder in die Welt, wenn wir uns als Eltern nicht um sie kümmern wollen? Führte man das Elterngeld und den Erziehungsurlaub nicht gerade deshalb ein, damit sich Eltern eben in den ersten Lebensjahren besser ihren Kindern widmen können? Steht der ab 2013 kommende parallele „Rechtsanspruch“ auf einen Krippenplatz für 1–3-Jährige nicht in direktem Widerspruch dazu?

Die Diskussion um die Einführung eines Betreuungsgeldes wäre eigentlich überflüssig, würde man von der überzogenen Förderung der Berufstätigkeit von Müttern junger Kinder absehen. Unser Staat wäre zudem gut beraten, sich in Zeiten knapper Gelder auf seine Kernaufgaben zurückzuziehen und stattdessen auf die Stärkung häuslicher Familienmodelle zu setzen. Eine gerechtere Verteilung des Wohlstands zum Beispiel durch steuerliche Besserstellung von daheim erziehenden Eltern, sowie eine finanziell spürbare Anerkennung von Erziehungszeiten bei der späteren Rente wären sicherlich besser geeignet, Kleinkinder auf ihren Weg in eine unsichere Zukunft vorzubereiten.