Zungengebet in der Kirche: Im Sinne des heiligen Paulus beten

Vor einiger Zeit übertitelte die „Tagespost“ einen Leserbrief sinngemäß: Zungengebet und Sprachengabe sind schriftgemäß. Das ist insofern richtig, als der heilige Paulus und auch der heilige Lukas mit seinem Bericht vom Pfingstereignis davon schreiben. Die Apostel waren mit Maria versammelt und erlebten beim Gebet die Herabkunft des Heiligen Geistes. Dieser befähigte sie, die Worte und Taten Jesu, wie von ihm vorhergesagt, nun voll zu verstehen, ferner die Furcht vor den Juden zu verlieren sowie das Evangelium vor den versammelten Völkerschaften so zu verkünden, dass jeder sie in seiner Muttersprache verstand.

Geht man davon aus, dass die in dem Lukas-Bericht aufgezählten Völkerschaften jeweils ihre eigene Sprache hatten, so wurden die zwölf Apostel von etwa 16 verschiedenen Sprachgruppen verstanden. So trat die Kirche erstmals wirkungsvoll in die Öffentlichkeit. Lukas scheint es nicht wichtig gewesen zu sein, jedenfalls beschreibt er nicht, wie dies im Einzelnen zustande kam. Paulus schreibt in 1 Kor 14,27: „Redet jemand in einer Sprache, so seien es nur zwei oder höchstens drei; und nacheinander; und einer gebe die Auslegung. Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Versammlung, zu sich selbst aber rede er und zu Gott.“ Heute betet zuweilen eine Gruppe von Gläubigen, indem sie ohne den von Paulus verlangten Ausleger gemeinsam spricht oder unartikuliert singt. Dies kann dann nicht als im Sinne von Paulus vollzogen und schriftgemäß bezeichnet werden. Solche Art zu beten findet auch kein Vorbild im Pfingstereignis. Hier liegen Gefahren für das Gebet als wichtigem Teil des geistlichen Lebens vor, das zu seiner Sicherheit an der Heiligen Schrift und an den anerkannten Lehrern des geistlichen Lebens Maß nehmen muss.