Zum nachsynodalen Schreiben des Papstes: Niemand spricht vom Hass

Viele äußern sich besorgt, das apostolische Schreiben Amoris laetitia könne einen Dammbruch bedeuten, insofern nun da und dort wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion gehen beziehungsweise zugelassen werden.

Ein vielleicht größeres Problem als die Wiederheirat ist in meinen Augen der Hass, den manche, die nicht wieder geheiratet haben, ihrem/r früheren Partner/in gegenüber im Herzen haben. Sie gehen oft unbekümmert zum Mahl des Herrn, weil sie ja nicht wieder geheiratet haben und sich damit an die Ordnung der Kirche halten. Man kann ihnen kaum einen Vorwurf machen. Denn ich habe noch nie gehört, dass ein Vertreter der Kirche dieses Problem des Hasses und der fehlenden Verzeihung in der Öffentlichkeit thematisiert hätte. Hier müsste klar und immer wieder gesagt werden: Wenn jemand schon nicht verzeihen kann, müsste er zumindest (nach dem Gebot der Gradualität), bereit sein, um die Kraft zur Versöhnung zu bitten. Warum spricht man immer nur von dem einen? Ich stelle mir jedenfalls vor, dass im Himmel eher Platz ist für jemanden, der geschieden und wiederverheiratet ist und unter seiner Situation leidet, als für einen, der mit Hass und Groll im Herzen vor Gott hintritt. Und zudem, was macht er oder sie, wenn sie im Himmel oder in der Hölle dem/r Partner/in von früher begegnen? Da muss vorher etwas geschehen. Jedenfalls bin ich nicht nur in diesem Punkt dankbar für unsere katholische Überzeugung, dass es einen Reinigungsort gibt, landläufig „Fegfeuer“ genannt, wo so etwas wie eine „Nacharbeit“ möglich ist.