Zum Tagesposting in der DT vom 21. Juli: Kampf gegen den Akkusativ?

Hocherfreut machte ich mich an die Lektüre der Glosse zum „Gipfel der Ketzerei“. Ich hoffe, diese Art angriffslustigen Räsonnierens bleibt keine Eintagsfliege. Derlei ließ die „Tagespost“ bislang vermissen. Noch mehr hoffe ich, dass der Kampf gegen den Akkusativ nicht fortgesetzt wird. Nachdem man dem Genitiv schon den Garaus gemacht hat, grassiert die Wut auf den Akkusativ. Im genannten Artikel steht leider ein Fall, der die destruktive Wucht eines Fouls in Form eines Tiefschlags besitzt. Da steht: „H. Weigel (...) hatte die creme de la creme der deutschen Exilliteraten ins El Pablo Ray Playhouse, e i n e m kleineren Kino in Santa Monica (hier fehlt ein Komma) eingeladen.“ Die Apposition steht im Deutschen im gleichen Fall wie das Substantiv, auf das sie sich bezieht. In der Presse scheint ein Krieg gegen diese Grammatikregel stattzufinden: Appositionen werden nur noch im Dativ verwendet. Ich schlage vor, ein Rundschreiben zu versenden, in dem alle über die grammatischen Regeln zum Thema Apposition aufgeklärt werden.

Mit dem Aufklären bin ich bei dem Beitrag von Kardinal Brandmüller, zu dem, was im Vatikan „nicht geht“. Offenbar von der allgemeinen Begeisterung für Transparenz mitgerissen, setzt der Kardinal in einer Zeitung auseinander, was ihn – kirchengeschichtlich untermauert – stört. Dabei lässt sein Hinweis auf die Leistungen der Medizin durchscheinen, ihm wäre es recht, wenn Benedikt auf die Einnahme von Heilmitteln mit dem Tage seines Rücktritts verzichtet hätte. Das und alles, was damit zusammenhängt, hätte er bei einem Treffen im geschlossenen Rahmen vorbringen können, in einer Zeitung ist es fehl am Platze. Wenn die Kirche mit den Aufklärern und Dekonstruktivisten konkurrieren will, sägt sie am eigenen Ast.