Zum „Tagespost“-Interview mit Stefan Oster, dem neuen Bischof von Passau : Geistlicher Aufbruch ist unverzichtbar : Mut und Zuversicht, sich auf Christus einzulassen

Danke der „Tagespost“ für das lesenswerte Interview mit Bischof Stefan Oster. Jenseits des leider heute üblichen Schablonierungszwanges zeigt er zentrale Punkte eines unverzichtbaren geistlichen Aufbruches auf. Dieser Weg ist richtig, entspricht dem Wort Gottes und ist klar (auch den Medien) kommunizierbar. In der Mehrfachkrise in der die Kirche tatsächlich steckt, müssen wir uns fragen: Was hilft, was schadet? Was hat die Kirchenpolitik und Theologie der letzten Jahrzehnte wirklich gebracht? 90 Prozent Katholiken hierzulande, die nicht mehr regelmäßig am Gottesdienst teilnehmen. Entfremdung und restloser Bindungsverlust wird bei vielen zum Austritt führen, das ist bereits vorprogrammiert.

Für den Bischof heißt die Medizin: persönliche Glaubwürdigkeit, ein neues Verständnis, was Kirche ist und das konsequente in den Mittelpunkt-Stellen von Jesus Christus und seiner Lehre. Wir müssen wieder mehr „neue Schöpfung“ sein im paulinischen Sinne. Da kann jeder bei sich anfangen und so mit sich selbst die Kirche ein Stück voranbringen. Oder mit dem Römerbrief zum kürzlichen 22. Sonntag gesprochen: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist, was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“ Und wenn wir vorbehaltlos in diesem Geiste auf alle aktuellen Fragen schauen, liegen die richtigen Antworten nahe. Es sind die Antworten, die zum Kern, zur wortgetreuen Lehre Jesu zurückführen, das „für wahr Erkannte und Definierte“ bewahrt und verteidigt und dem Menschen in der Sprache der Gegenwart, jedoch ohne Zeitgeist-Discount, vermittelt (DT vom 30. August).

Eigentlich muss alles Aktuelle, jegliche kirchliche Aktivität und alle Theologie auf den Prüfstand: Was stärkt den Glauben, die Liebe, die Hoffnung und die Einheit? Alles was hier klar positiv eingeschätzt werden kann, sollte man weiterverfolgen. Alles Fragwürdige, Zweifelhafte und Experimentelle vorerst beiseite lassen. Denn kluge Führung konzentriert Ressourcen in Krisenzeiten besonders auf das Wesentliche und Stärkende. Dies verleiht der Kirche und ihren Gliedern Glaubwürdigkeit und die Art von Attraktivität, die sie in 2000 Jahren so stark gemacht und alle Krisen hat überstehen lassen. Was also stärkt den wahren Glauben, die Hoffnung, die Liebe und die Einheit?! Wo sind Korrekturen und Rückbesinnungen angebracht?

„Wir müssen ganz neu verstehen lernen, was Kirche ist“, schon die Überschrift zum Interview mit Bischof Stefan Oster (erschienen in „Die Tagespost“ vom 30. August) ist mutig und aufordernd, „hier must du lesen“! Die Analyse „Die Frage nach Glaubwürdigkeit holt uns an allen Ecken und Enden ein“, ist zwar sehr ernüchternd, aber wahrscheinlich ehrlich und richtig. Bischof Oster macht dann aber im mittleren Teil seines Gesprächs mit der „Tagespost“ Mut und Zuversicht, sich auf Christus einzulassen und etwas genauer hinzuschauen. Damit wir Menschen die Liebe Gottes durch Jesus Christus zu uns überhaupt erfahren können, hat Christus seine Kirche über Petrus und die anderen Apostel gegründet. Das ist also der eigentliche Sinn der Kirche.

Schon die ersten Boten der Kirche Christi waren Menschen und damit auch zu Schwächen neigenden Boten. So geht es über die Zeitgeschichte von nun schon mehr als 2000 Jahren, oft auch in tiefe Tiefen. Oster setzt da sehr hoffnungsvoll auf ein spürbares Eingreifen des Heiligen Geistes. Recht hat er.