Zum Rücktritt von Verteidigungsminister zu Guttenberg: Auf den Spuren Robespierres : Auch ein Fall des Versagens der Gutachter: Konsequent, aber tragisch für die Politik

Mittlerweile ist der Bundesverteidigungsminister zurückgetreten. Nur mit Betroffenheit kann man diese Wendung der Causa Guttenberg zur Kenntnis nehmen. „Man kann einen Menschen nicht spalten: in die Privatperson und in den Träger eines öffentlichen Amtes“, so formulierte dieser Tage im Fernsehen ein bekannter Alt-Politiker der CDU seinen Beitrag zur Hatz auf den Minister. Wenn das richtig ist, dürften zahllose Minister und Ministerpräsidenten, Präsidenten und Kanzler nicht in ihr Amt gekommen sein. Denn wiegt das bei der Eheschließung gegebene Treueversprechen denn nicht noch viel schwerer als die ehrenwörtliche Versicherung zu einer Doktorarbeit? Was also bedeutet Scheidung und Wiederverheiratung auf der Folie der Guttenberg-Debatte für die Wahrnehmung eines öffentlichen Amtes? Man hat Guttenberg vorgehalten, er gebe ein schlechtes Vorbild. Was aber ist Vorbildhaftes an den Trümmern einer oder mehrerer Ehen, die ein politisch Prominenter an seinem Lebensweg liegen hat?

Ich habe immer zur Gelassenheit angesichts von Eheproblemen geraten. Und Gelassenheit wäre auch jetzt am Platz gewesen. Damit soll nicht der hohe volkserzieherische Wert eines rundum vorbildhaften Lebens gemindert werden. Der zur Ehre der Altäre erhobene letzte österreichische Kaiser und ungarische König Karl steht ebenso dafür wie der französische Staatsman und „Vater Europas“ Robert Schumann, für den ein Seligsprechungsprozess geführt wird. „Mit menschlichen Schwächen kann der liebe Gott immer noch etwas anfangen, nicht aber mit falschem Denken“, meinte einmal der frühere Fuldaer Bischof Eduard Schick. Dieses weise Wort wird durch einen Blick in die Geschichte bestätigt. Es gab in der Welt – und auch in der Kirche – immer wieder einmal Gestalten, deren höchstpersönliches Verhalten arg zur Kritik Anlass bot, die aber dennoch segensreich wirkten. Und umgekehrt gab es Musterknaben, deren „falsches Denken“ nur Blut und Tränen verursachte. So einer war Robespierre, den sie „den Tugendhaften“ nannten. Genau auf Robespierres Spuren wandelten aber viele, die nun mit Guttenbergs Kopf in ihren Händen „Hurra“ schreien.

In meiner Amtszeit als Hochschullehrer der Technischen Universität Dresden hatte ich mehr als sechzig Doktorarbeiten zu begutachten. Ein solches Gutachten hat die Aufgabe, den wissenschaftlichen Gehalt und die Originalität einer solchen Arbeit zu beurteilen und entsprechend dem Ergebnis dieses Urteils deren Annahme als Doktorarbeit zu empfehlen. Bei nicht ausreichendem Grad der genannten Kriterien wird eine solche Arbeit erst gar nicht zur Annahme empfohlen. Wenn also, wie im Fall Guttenberg, im Nachhinein festgestellt wird, dass seine angenommene und zunächst sogar sehr gut bewertete Doktorarbeit wegen mangelnder Qualität aberkannt werden muss, dann ist das wohl auch ein Fall eklatanten Versagens der Gutachter, die doch als Fachleute die Schwachstellen hätten bemerken müssen.

Guttenbergs Rücktritt war konsequent. Gegen den Druck von Medien und Opposition hätte er das Amt nicht mehr ausüben können. Tragisch nur: Hier geht einer von Bord, den wir in der Politik dringend gebraucht hätten. Gleichwertiger Ersatz wird sich nicht finden.