Zum Leserbrief von Kardinal Cordes „Die Verwirrung eingrenzen“ : Das wäre pastorale Subsidiarität : Katholisches Eheverständnis erodiert

Paul Josef Cordes ist mir seit seiner Arbeit „Sendung zum Dienst“ von 1972 über das Priesterbild des Konzils in bester Erinnerung; diese Dissertation unter Leitung von Karl Lehmann war eine Pionierarbeit. Jetzt, als langjähriger „Römer“ und Kardinal, greift er seinen sauerländischen Landsmann Bode frontal an. Ich habe nichts gegen eine gepfefferte Sprache unter Theologen, aber die Inhalte müssen stimmen. Ist Marx' Satz vor Journalisten in Hildesheim denn falsch: „Wir sind keine Filialen von Rom“?

Bismarck hat in der schlimmen Cirkular-Depesche nach dem Ersten Vatikanum den Bischöfen an den Kopf geworfen, sie seien nur noch „Werkzeuge des Papstes, seien Beamte ohne eigene Veranwortlichkeit“ (DH 3112). Dagegen unterschrieben sämtliche deutschen Bischöfe Sätze wie diesen: Nach der „Lehre der katholischen Kirche ist der Papst Bischof von Rom, nicht Bischof irgendeiner anderen Stadt oder Diözese, nicht Bischof von Köln oder Breslau u.s.w.“ (DH 3113). Und es folgte eine differenzierte Darlegung des im Grunde subsidiär verstandenen Primats (man könnte geradezu von Ultimat sprechen).

1875: Keine Beamten des Papstes! 2015: Keine Filialen von Rom! Beides klar und richtig. Pius IX. lobte die Retourkutsche der Bischöfe in den höchsten Tönen, die die römisch-barocke Diplomatensprache erlaubte (DH 3117). Mit Kardinal Cordes wünsche ich mir von der Synode im Oktober auch einen Motivationsschub für die wohlverstandene katholische Ehemoral. (Sexualmoral überlasse ich hauptsächlich den getauften Christenmenschen selbst, und Familien- und Clandenken ist genauso wenig genuin-jesuanisch, sondern Sache des politischen Engagements.) Die Synode möge mit Franziskus ein Hoch auf die vielen jahrzehntelang zusammenhaltenden Eheleute ausbringen, Eheleute in re und auch die vielen jungen Paare und Eheleute in spe wie meine beiden jungen Töchter. Die Synode sollte alle Seelsorger ermutigen, in kluger und großherziger Weise in der Ehepastoral das Prinzip der Gradualität zu praktizieren, wie es Theologen wie Eberhard Schockenhoff, Walter Kasper und Christoph Schönborn erläutert haben. Das wäre dann sogar pastorale Subsidiarität.

Danke für den Leserbrief von Kardinal Cordes. Ein solches Wort zur Klarheit war überfällig. Die Verwirrung ist in der Tat ungeheuer. Man muss sich doch nur mal in einer ganz normalen Pfarrei umhören. Auch die letzten Reste des katholischen Eheverständnisses drohen im Zuge der Synoden-Diskussionen zu erodieren. Das hat der Papst so sicher nicht gewollt.