Zum Interview mit CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe: Maßstab der Politik ist die Würde des Menschen: Es fehlte ein klares „Nein“ von Gröhe zur PID

Wie dankbar bin ich Ihnen für das ausführliche, wertvolle Interview mit dem Generalsekretär der CDU, Hermann Gröhe, über Konservatismus und Christentum, Kirche und Politik (DT vom 25. September). Ich halte Hermann Gröhe für einen Tatchristen, der also sein christliches Gewissen nicht versteckt, sondern es überall dort erkennen lässt, wo es notwendig ist. Einer seiner wichtigsten Sätze „Integration braucht Konsequenz, nicht Schönfärberei oder Ausgrenzung“ und „Ich warne davor, Rechtspopulisten mit christlichen Werten gleichzusetzen“.

Ich persönlich glaube daran, dass die Union stets für Respekt vor den Familien und der Wahlfreiheit eingetreten ist. Aber: In der Politik geht es nicht nur um Wünschbarkeit, sondern auch um Durchsetzbarkeit. Daher ist es sehr angemessen, Bundesgerichtsentscheidungen genau zu analysieren. Dabei ist der Maßstab bestmöglicher Lebensschutz und die gleiche Würde allen menschlichen Lebens.

Das Interview mit Generalsekretär Hermann Gröhe war im höchsten Maße aufschlussreich. Wenn jegliche Kritik an der CDU-Politik der letzten Jahre als „Verzerrung“ oder „böswillige Verzerrung“ abgetan wird, braucht sich die Parteispitze nicht wundern, wenn die Basis murrt und Stammwähler zunehmend zu Nichtwählern werden.

„Bestmöglicher Lebensschutz“ gut und schön, aber bevor man den Zwang zum Kompromiss als Argumentationskrücke benutzt, wäre mal ein klares „Nein“ zur Präimplantationsdiagnostik (PID) fällig gewesen. Dazu kann sich Gröhe aber nicht mal durchringen, als er nach seiner persönlichen Haltung zur PID gefragt wurde. Das ist doch mehr als bezeichnend. Ich danke sehr für dieses ausführliche Gespräch. Leider hat es bestätigt, was ich seit langem befürchte: Auf die CDU ist kein Verlass mehr. Dass Gröhe ein engagierter evangelischer Christ ist, will ich nicht bezweifeln. Aber was nützt das, wenn von oben die Kanzlerin durchregiert.