Zum Gespräch mit der Kandidatin der SPD für das Amt des Bundespräsidenten, Gesine Schwan: Das war ja wirklich ganz daneben: Kinder brauchen Religionsunterricht: Lebensschutz als oberste Maxime

Vielen Dank für den Abdruck des Interviews mit Gesine Schwan. Ich hatte Frau Schwan bislang für eine couragierte und engagierte Politikerin mit überzeugenden Positionen gehalten. Nach der Lektüre dieses Interviews muss ich meine Meinung korrigieren. Was sie da zum Religionsunterricht sagt, ist ja nun wirklich ganz daneben.

Ich beziehe mich auf Ihre beiden Artikel „Streit um grüne Gentechnik entbrannt“ (S. 1) und „Katholische SPD-Kandidatin gegen Pro-Reli in Berlin“ (DT vom 16. April): Gesine Schwan und Annette Schavan – zwei Politikerinnen aus verschiedenen politischen Lagern, die sich beide zum katholischen Glauben bekennen? Die eine wendet sich gegen Religion als originäres Unterrichtsfach und will „katholisch sein“. Mit welchem Recht? Die andere begrüßt die „grüne Gentechnik“, in welcher der Mensch entscheidend in das pflanzliche Erbgut eingreift. Auch sie will katholisch sein. Mir scheint, was diese beiden, Schwan und Schavan, unter „katholisch“ verstehen, hat mehr mit ihren eigenen Ideen zu tun als mit dem Katechismus der Kirche.

Nun kann man, was „katholisch“ ist, aber nicht einfach individuell festlegen wollen. Frau Schavan möchte Gottes „sehr gute Schöpfung“, wie es in der Bibel heißt, verbessern, und Frau Schwan möchte die Glaubenskenntnisse unserer Religion nicht mehr an Schulen vermitteln lassen. Wo denn sonst? Im übrigen: Was soll die Frage: sie wisse nicht, was denn im Religionsunterricht bewertet und benotet werde. Na, die Kenntnisse! Was denn sonst? Der indirekte Hinweis Frau Schwans darauf, dass es wohl nicht der Glaube sei, welchen man im Unterricht bewerte, ist ein deutliches Symptom für die Sophistik dieses dezidiert unkatholischen Denkens. Selbstverständlich hat Glauben sehr viel mit Wissen zu tun. Man sollte schließlich wissen, woran man glaubt, oder?

Und wo ist das christliche Menschenbild, wo die Kirchentreue, wo die Demut, wenn jemand die Kinder nicht mehr vermittels Katechese in die Glaubensgüter einführen und mit wachem geistigem Blick zu Christus kommen lassen will? Wo ist das Einverständnis mit der zentralen Aussage der Bibel, dass Gott seine Schöpfung sehr gut gemacht habe, wenn der Mensch aber doch zum Schaden so vieler anderer Lebewesen, nicht nur der Bienen, mit dem Anbau von Gen-Mais in diese Schöpfung eingreifen will? – Das ist im übrigen auch volkswirtschaftlich fahrlässig.

Vielleicht ist das Wichtigste aber doch dies: Politiker sind an Eides statt verpflichtet, alles für das Volk zu tun, dem sie angehören, sowie allen Schaden von diesem Volk abzuwenden. Wie soll das möglich sein, wenn Kinder an Schulen nicht mehr lernen können sollen, woran sie laut Konfessionszugehörigkeit glauben. Die Kenntnis dessen, woran ein Katholik glaubt, muss mühsam erarbeitet werden! Der Akt des Glaubens selbst ist freilich etwas anderes. Das ist richtig. Woran jemand glaubt – das aber ist Wissen. – Wie will eine Politikerin oben genanntem Grundsatz, für das eigene Volk da zu sein, treu bleiben, wenn sie rechtswidrig in die Religionsfreiheit eingreift. Wenn es irrelevant werden sollte, ob man als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten einen Verstoß gegen das Grundgesetz empfiehlt, kann man auch gleich das ganze Grundgesetz neu schreiben lassen. Aber gerade diesen Vorschlag haben wir in diesen Tagen doch auch schon gehört. Ich verstehe jetzt, weshalb.

Gesine Schwan bezeichnet den Lebensschutz als „oberste Maxime“ und sagt: „Wir dürfen also nicht den Schutz des Kindes gegen die Mutter ausspielen. Er ist dann am besten gewährleistet, wenn die Mutter geachtet und geschützt wird. Dafür müssen wir alles tun“, dann setzt sie fort: „deshalb unterstütze ich auch Donum Vitae.“ Die von Donum Vitae praktizierte und bescheinigte gesetzliche Konfliktberatung geht jedoch gemäß Paragraf 5 SchKG „von der Verantwortung der Frau aus“. Diese Beratung ist tötungsoffen konzipiert: „Die Länder stellen ein ausreichendes Angebot (!) ambulanter und stationärer Einrichtungen zur Vornahme von Schwangerschaftsabbrüchen sicher“ – Paragraf 13 (2) SchKG. Durch ihre Unterstützung von Donum Vitae stellt sich Frau Schwan offen auf die Seite jener, die den Schutz des Kindes gegen den Schutz der Mutter ausspielen, indem sie bereit sind, mit der Ausstellung des Beratungsscheines den Weg zur Tötung des Kindes zu ebnen. Hier wird deutlich: Die „oberste Maxime“ ist nicht der Lebensschutz, sondern die Entscheidungsfreiheit. Damit der ungeheuerliche Tötungsparagraf 13 (2) ersatzlos gestrichen werden kann, muss zunächst Paragraf 5 SchKG grundlegend umformuliert werden, nämlich so: „Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Kindes und dadurch auch dem Schutz der Mutter. Sie geht aus vom natürlichen Lebensrecht des Kindes und appelliert an die Mitverantwortung der Frau.“