Zum Feuilleton „Die Kirche kriegt die Krise“: Kirche lebt nur in einer Pfarrei oder gar nicht: Reform meint nicht das, was heute gesagt wird

Unter der Überschrift „Die Kirche kriegt die Krise“ (DT vom 2. Juli) von Johannes Seibel heißt es, dass man das diagnostische Potenzial für die gegenwärtige Lage der Kirche nutzen sollte.

Nach meiner Meinung haben nicht erst die bedauernswerten Missbrauchsfälle die Krise ausgelöst. Die „Alarmglocken“ läuten schon lange, besonders im Desinteresse der jungen Leute an „Kirche“. Doch warum wurden die möglichen Wege aus der Krise nicht genug angegangen?

Das Konzil, die Würzburger Synode, das Bamberger Pastoralgespräch, der Pastoralplan? Wer sorgt für Klarheit und spricht darüber, wenn gut ausgebildete, engagierte Diakone, Pastoralreferenten, Gemeindereferenten, Wortgottesdienstleiter bereitstehen, um unsere Priester zu entlasten und trotzdem „gute katholische Christen“ an Sonn- und Feiertagen den Gottesdienst nicht besuchen, weil nur ein Laie mit den Gläubigen feiern, singen und beten möchte?

Wir brauchen meiner Meinung nach keine neuen Studien und Programme, um deren Umsetzung sich niemand ernstlich bemüht, sondern Offenheit und Mut zu ehrlichen Gesprächen mit Zielsetzung! Kirche – als Gemeinschaft – lebt in einer lebendigen, aktiven Pfarrei oder gar nicht. Die derzeitige Krise kann überwunden werden, wenn alle die Chance sehen und entsprechend mutig handeln – und das wünsche ich meiner Kirche, die mir (79 Jahre) aufgrund meiner Lebens- und Glaubenserfahrung sehr viel bedeutet.

Einen sehr bemerkenswerten und richtigen Satz von Johannes Seibel sollten alle Freunde des Dialogs beherzigen: „Jede Kirchenreform, die sich nicht in die Tradition stellen will, (...) gebiert nur wieder neue Krisen.“

In der Tat ist Kirche nichts Selbstzufertigendes, sondern Leib Christi und Volk Gottes; also auf Gott, auf den zu hören ist, kommt es an. Es gilt auf dem Fundament, das Christus selbst ist und auf den Lehren der Apostel weiterzubauen durch die Zeit – und der Schlussstein ist wiederum Christus. Das muss also passen, sonst wird der Bau nicht gelingen können. Es gilt, alle Lehren und Dogmen der Kirche vorbehaltlos anzuerkennen: das wäre die eigentliche Re-Formation. Reform bedeutet nichts anderes als die Entfernung von angehäuften Schlacken und Unrat, so wie eine gute Beichte immer eine Reform für den Beichtling ist; ein Reinwerden, um wieder neu und noch besser als zuvor die Nachfolge Christi zu leben. Aber genau das soll ja nach den Bekundungen der sogenannten Reformer nicht sein. Der hl. Apostel Paulus gibt eindeutige Ermahnungen, wie die Kirche weiterzubauen ist.

Der Begriff Reform wurde schon immer missbraucht: Man meinte, ohne den Papst die wahre Kirche errichten zu können. Das ist ja nichts Neues. Was Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien benötigen, ist Buße und Umkehr. Der Dialog lenkt davon ab und ist ein sichtbares Zeichen für den Unwillen, eigene schwere Fehler einzugestehen und umzukehren.

Glaubens- und papsttreue Christen benötigen keinen Dialog.