Zum Dialogprozess der katholischen Kirche und der Diskussion um das Frauenpriestertum: Drei Irrtümer, die immer deutlicher werden: Am Ende wollen alle Papst werden: Andere können sich das vorstellen

Der Start des Dialogprozesses in Mannheim (DT vom 12. Juli) zeigt die Blockaden, die dem eigentlichen Anliegen der kirchlichen Erneuerung in Deutschland im Wege stehen. Die große Beachtung der sogenannten Reizthemen macht besorgt.

Als Frau macht mich besonders das große Interesse vieler Teilnehmerinnen an dem Thema der Frauenordination betroffen. Drei Irrtümer werden mir dabei immer deutlicher: Erstens, dass man in diesem Dialog Dinge ändern möchte, die amtskirchlich entschieden, wirklich entschieden sind; zweitens, dass man eine kirchliche Weihe „einfordern“ könne; drittens, dass in der Nichtzulassung der Frau zur Priesterweihe eine Zurücksetzung gegeben sei.

Das Schielen nach dem Unerreichbaren verstellt den Blick für das Angemessene, Aufgetragene. Dieser Tage wurde mir anhand guter Beiträge in der Vereinszeitschrift katholischer Lehrerinnen wieder klar, ein wie wichtiges Feld sich heute – gerade auch im Hinblick auf die Glaubenserneuerung – in der Religionspädagogik anbietet; immer wieder bin ich beeindruckt von der Klugheit, mit der sich Frauen den Herausforderungen heutiger Pädagogik stellen. Die Darstellungen bieten oft eine wichtige Ergänzung männlicher Sicht. Ich meine, gerade Frauen, die Verantwortung in der Kirche suchen, könnten in der Glaubensvermittlung „ihre“ Aufgabe entdecken.

Trage ich „Eulen nach Athen“? Vielleicht macht es beim Lesen aber auch hin und wieder ein wenig Freude, verwandte Gedanken zu finden.

Pfarrer Frank Maier (Leserbrief vom 23. Juli) ist zu danken, dass er auf diese anachronistische Haltung der KFD-Verbandsvertreterinnen hinweist. Ich frage mich seit langem, was diese Gleichmacherei, dieses „auch haben!“ soll. Als hätten zum Beispiel viele Ordensfrauen im Lauf der Jahrhunderte uns nicht einen reichen, fruchtbaren Dienst geschenkt. Oder denken wir an die unzähligen Frauen, die in Anbindung an einen Orden (Dritter Orden) sozusagen Sauerstoff im Blutkreislauf der Kirche waren. Das Ideal unserer Verbandsfrauen scheint darin zu liegen, dass eines Tages alle Papst werden. Aber bekanntlich sind in der Natur die gleichartigen Strukturen – Sand, Wasser etc. – ohne Leben. Warum wohl hat der heilige Paulus öfters auf den Leib als Beispiel für die innere, differenzierte Struktur der Kirche hingewiesen (Röm 12,4–8; 1 Kor, 12–30)?

Offensichtlich gab es schon damals ähnliche Tendenzen. Wenn man aber Christus und damit seine Kirche liebt, sollte es doch keine größere Ehre geben, als den für das volle Leben entscheidenden Dienst zu leisten, auch wenn es keine plakative Aktivität ist.

Ich kapiere das inner- und außerkirchliche Klagen nicht, dass die Frauen früher angeblich nicht geschätzt worden seien. Ich habe jedenfalls – als heute 85-Jähriger aus dieser „alten“ Zeit kommend – von klein auf gelernt, dass man einer Frau bei einer Tür den Vortritt lässt und ihr in der vollen Straßenbahn seinen Platz anbietet. Wie kommt eine solche Regel denn zustande?

Gabi Fröhlich schreibt in ihrem Beitrag „Priesterinnen wären kein Gewinn“ (DT vom 26. Juli): „...am Altar der Priester... und ihm gegenüber die Gemeinde“. Leider ist das nach dem Konzil in vielen Kirchen die Wirklichkeit geworden, dass aus dem Hinter dem Priester ein Gegenüber wurde. Der Intention des Konzils würde es wohl eher entsprechen, dass sich Gemeinde und Priester um den Tisch des Wortes und den Tisch des Brotes versammeln. So erlebe ich das in einer Kirche, in welcher der Tisch des Wortes und der Tisch des Brotes in den Brennpunkten einer Ellipse stehen. Für mich entspricht das nicht nur der Intention des Konzils, sondern auch der Intention Jesu. In solchen Kirchen gibt es auch keine zwei Seiten eines Altarraums. –

Zur Frage, ob Frauen der Eucharistie vorstehen können/sollen: Die Äbtissin von Frauenchiemsee kann sich das gut vorstellen.