Zum Dialog zwischen Rom und Kairo: Der Grundkonflikt wird übergangen

Die Erklärungen des Dialog-Komitees aus Vatikan und Kairo sprechen im gemeinsamen Interesse zwar das Thema Beleidigung und Verunglimpfung religiöser Werte, Symbole und Gefühle zu Recht an (DT vom 1. März), übergehen aber andererseits den vorrangigen Grundkonflikt zwischen Islam und Christentum, die reale Situation der Christen in islamisch regierten Ländern, Ländern mit starken muslimischen Minderheiten, oder sogar in Deutschland. Totales Religions- oder Bekenntnisverbot, systematische oder regionale Verfolgung, Diskriminierung bis zu Bedrohung und Mord an Christen gewordenen Muslimen im „freiheitlichen“ Europa gehen nahezu ausschließlich zu Lasten der Christen. Muslime sind im Vergleich dazu letztlich auch nur Opfer von religiösen Kränkungen.

Man hat leider nicht den Eindruck, dass einflussreiche, maßgebende Muslime gegen die beschriebene Diskriminierung von Christen unter dem Islam öffentlich protestieren oder nachhaltig vorgehen würden. Auch unterscheiden sich christliches und muslimisches Verständnis von Meinungsfreiheit hinsichtlich religiöser Angelegenheiten grundsätzlich. Für Christen wären Mord- und Brandausschreitungen wegen religiöser Beleidigungen im Gegensatz zu leider zu vielen Muslimen prinzipiell undenkbar.