Zum Berlin-Besuch von Barack Obama: Noch für manche Überraschung gut

Der Auftritt des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama in Berlin an der Siegessäule, in Richtung zum Brandenburger Tor, ist gewiss eine aufsehenerregende Show, um in Hinblick auf den bevorstehenden Wahlkampf in den USA auf sich aufmerksam zu machen (siehe DT vom 26. Juli)! Ob der Jubel vieler Berliner auf die US-Wähler wirkt, bleibt abzuwarten! Immerhin sitzt auch der Schock bei vielen tief, weil er während des innerparteilichen Wahlkampfes gegen Hillary Clinton versprach, sollte er Präsident der USA werden, alle US-Truppen aus dem Nahen Osten in die Heimat zurückzuholen, jetzt aber angekündigt hat, die Truppen, die im Irak stationiert sind, nach Afghanistan verlegen zu wollen.

Seine Versicherung, die amerikanischen Truppen in die Heimat zurückzuholen hat ihm vermutlich den Vorsprung vor Hillary Clinton gesichert! Viele US-Amerikaner sind daher über seinen Meinungswechsel enttäuscht, da sie sich sehnlichst wünschen, dass ihre „Boys“ weder im Irak noch in Afghanistan ihr Blut vergießen. Ein Kriterium für die Beurteilung Obamas ist auch, wie der Beitrag in der DT vom 26. Juli „Wahrscheinlich ist er ein Agnostiker“ richtig sieht, dass Obama Protestant ist, aber sich auch als Agnostiker bezeichnet hat und wegen eines Streites mit dem Pastor Jeremiah Wright aus der Religionsgemeinschaft, der er jahreslang angehörte, ausgetreten ist.

Auch die Karikatur von Obama auf der Titelseite des „New Yorker“ hat in den USA Aufsehen erregt, weil sie den Präsidentschaftskandidaten mit einem Turban auf dem Kopf als Sympathisanten des Iran erscheinen lässt. Barack Obama ist eher ein Praktiker. Man wird an die Worte des marxistischen Dichters Bert Brecht erinnert: „An die Stelle der Innehaltung fester Grundsätze tritt (...) die kluge, findige, auf ihre Art höchst rationelle Ausnutzung der Besonderheiten der jeweiligen Lage, des Ortes und der Zeit, der eigenen und fremden Fähigkeiten, (...) der besonderen Umstände aller Art (Steinweg, Brechts Modell, S. 144). Als Präsident der USA, sollte er es werden, dürfte Barack Obama für manche Überraschung gut sein!