Zum Beitrag über Erasmus von Rotterdam: Ein Ruhmesblatt in der Stadtgeschichte

Zum Beitrag „Ein Freund der Reformation, aber auch mit katholischen Wurzeln“ (erschienen in „Die Tagespost“ vom 22. Februar): Es mag von Interesse sein, dass sich Erasmus von Rotterdam vor allem während seines Aufenthaltes in Basel mit der „neuen Lehrer“ Luthers auseinandergesetzt hat. Der Humanist hielt sich fünfmal, davon dreimal längere Zeit, in Basel auf (1514–16, 1521–29, 1535–36). Er war eng mit den Buchdruckern Vater Johann und Sohn Hieronymus Froben befreundet.

Mehrere Werke, zum Beispiel das Neue Testament in griechischer Sprache mit beigefügter lateinischer Übersetzung oder sechs Nachdrucke vom „Lob der Torheit“ ließ er in deren Werkstatt drucken. Bemerkenswert ist, dass Erasmus nach der behördlich verfügten Einführung der Reformation im Februar 1529 nicht fluchtartig, wie die katholisch gebliebenen Regierungsmitglieder, aber doch im April ins katholische Freiburg im Breisgau übersiedelte.

Sechs Jahre später folgte er der Einladung des Freundes Hieronymus Froben und nahm Wohnsitz bis zu seinem Tod in dessen Haus an der Bäumleingasse in Basel. Nach Erasmus Tod am 12. Juli 1536 geschah Erstaunliches. Das reformierte Basel bereitete dem katholisch gebliebenen Humanisten im nun reformierten Münster ein feierliches Begräbnis und bestattete ihn im linken Seitenschiff des Gotteshauses.

Sein Grab wird noch heute von vielen Touristen unter einem Epitaph aus rötlichem Marmor aufgesucht. Aus der Biographie „Desiderius Erasmus von Rotterdam“ 1937, des (kath.) Historikers August Rüegg, sei abschließend zitiert: „Diese vom reformierten Basel dem katholischen Erasmus gegenüber vollbrachte Tat ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte Basels.“