Zum Beitrag „Willkommenskultur für Ungeborene“: Tugend der Keuschheit nicht verschweigen: Dank an den mutigen Weihbischof!: Auch die Leistung der Mütter verdient Lohn

Das Plädoyer des Rottenburger Weihbischofs Thomas Maria Renz für ein neues Denken und Handeln in der Schwangerenberatung verdient nicht nur großes Lob und großen Dank, sondern vor allem volle Unterstützung der Katholischen Kirche, im Besonderen seiner Amtsbrüder (DT vom 12. März 2016). Meines Erachtens aber benötigt diese Initiative eine Ergänzung. Will man wirklich die Zahl einer nicht geringen Gruppe ungewollt schwangerer Frauen auf Dauer reduzieren, dann darf in der Katholische Kirche nicht die Tugend der Keuschheit schamhaft verschwiegen werden, ja es muss wieder für die Bereitschaft zu Verzicht und Verantwortungsbewusstsein (im besonderen der Männer) sowie nicht zuletzt zu vor- und außerehelicher Enthaltsamkeit geworben werden. Ist der Mangel dieser Bereitschaft nicht eine wesentliche Ursache für das Scheitern vieler Ehen? Und müsste man nicht um dieser Ziele willen den Vorwurf ertragen, rückständig, verklemmt und inhuman zu sein oder gar gegen Menschenrechte zu verstoßen?

99 200 gemeldete Abtreibungen in 2015; seit Beginn der Aufzeichnungen in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts sind es 5 800 000 Kinder, die fehlen, weil sie nicht geboren werden durften; alle Zahlen ohne die Dunkelziffer; und das in Deutschland! Dank an den mutigen Weihbischof aus Rottenburg, der sich traut, daran zu erinnern! (DT vom 12. März) Warum müssen diejenigen, die heute schweigend, aber demonstrativ an das Grauen der Abtreibungen erinnern, durch die Polizei geschützt werden? Wie kann es sein, dass „Gegendemonstranten“ aus öffentlichen Mitteln und im Stundenlohn bezahlt werden, damit sie krakeelend und blasphemische Parolen schreiend für das vermeintliche „Recht auf Abtreibung“ gläubige Christen beschimpfen und beleidigen? In Münster gedachten wir am 22. März des siebzigsten Todestages des „Löwen von Münster“, des Kardinal von Galen. Ebenfalls in Münster füllt „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth derzeit wieder die Ränge des Theaters. Unter Zuhilfenahme von Fiktion und Verleumdung soll an die Verantwortlichkeit der Hirten zur Nazizeit erinnert werden. Gut, dass es heute einige Hirten gibt, die sich den Schmähungen der bunten Vielfalt auszusetzen wagen.

Herzlichen Dank an Weihbischof Thomas Maria Renz für seinen Beitrag zum Lebensschutz. Es ist sehr zu begrüßen, dass versucht wird, die Gesellschaft angesichts dieser schrecklichen Realitäten wach zu rütteln und mit dem Papst daran zu appellieren, alle Anstrengungen zu unternehmen, um mehr Leben zu retten und Kinder im Mutterleib besser zu schützen. In meinen Augen würde in vielen Fällen ein Schwangerschaftskonflikt erst gar nicht entstehen, wenn man das Kindergroßziehen nicht länger als ein Privatvergnügen betrachtete und alle Arbeit, die damit verbunden ist, als Ehrenamt verstünde. Würden Frauen, die Mütter werden und sich anschließend um die Kinder kümmern – die ersten Jahre in Vollzeit, danach jahrelang wenigstens einen Teil des Tages also in Teilzeit –, für ihre Leistung einen gerechten Lohn erhalten, eine gerechte Altersversorgung, dann hätten sie eine ganz andere Ausgangsposition, eine unabhängige, freiere. Solange eine Frau finanziell vom Mann abhängig ist, sobald sie die Mutteraufgaben erfüllen möchte, ist sie nicht frei in ihrer Entscheidung. Wenn sie das Kind nicht ohne fremde finanzielle Hilfe großziehen kann, redet man ihr natürlich drein. Es heißt nicht umsonst: Wer zahlt, schafft an. Ich will sagen, die Abhängigkeit der Frauen, deren Arbeit als Mutter eben nicht finanziell entlohnt wird, obwohl die ganze Gesellschaft Nutznießer dieser Leistung ist, diese Abhängigkeit hält die Tür offen für Druck von außen, einem Druck, dem sowohl Frau als auch Kind ausgesetzt sind. Druck vom Partner, auf den es ja finanziell entscheidend ankommt, denn ihm wird die Last der Existenzsicherung von Frau und Kind aufgebürdet, als wäre er der alleinige Nutznießer; Druck entsprechend von der eigenen Familie und Druck vom übrigen sozialen Umfeld, die alle sagen können: ja, dann sieh selber wie du zurechtkommst, wenn du es dir finanziell nicht leisten kannst, wenn du den Doppeltbelastungen nicht gewachsen bist, ja das hättest du uns und dir ersparen können, wenn du dich gegen das Kind entschieden hättest. Meines Erachtens kann man nicht überzeugend gegen Abtreibung aufstehen und gleichzeitig ein Mütter- oder Vätergehalt ablehnen. Es mag Fälle geben, in denen selbst ein vorgeschlagenes gerechtes Gehalt einen Schwangerschaftskonflikt nicht verhindern kann, aber ich bin mir sicher, dass dadurch nicht nur das Konfliktpotenzial in der Schwangerschaft deutlich verringert würde, sondern auch der Druck bei den Familien insgesamt erheblich herausgenommen würde. Vielleicht könnte sogar ein Teil der unheilvollen Trennungen und Scheidungen vermieden werden, die nicht das Ergebnis von grenzenlosem Egoismus sind, sondern vielmehr Ausdruck von Überforderung, Stress und Druck in zu vielen Lebensbereichen. Die im Artikel angeführten Ergebnisse neuester Erhebungen zur Ursachenforschung sind meines Erachtens wenig aussagekräftig: Wie unterscheidet man lebensbiografisch berufliche Gründe gegen ein Kind (28 Prozent) von materiellen Sorgen (sechs Prozent)? Auch die genannten Partnerschaftsprobleme (35 Prozent) können mit den erstgenannten ursächlich zusammenhängen. Der beste Schutz für Kinder, ob ungeboren oder geboren, ist daher die Wertschätzung der Mütter! Leistung verdient Lohn – das war immer so, soll auch so bleiben, muss nur endlich bei den Familien korrigiert werden!