Zum Beitrag „Designerbabys auf dem Vormarsch“: Brüllen wie der Löwe von Münster

Der Artikel „Designerbabys auf dem Vormarsch“ in der „Tagespost“ vom 30. Dezember 2008 führt wieder einmal deutlich vor Augen, auf welchem fatalen Weg sich die scheinbar kultivierte Menschheit befindet. Es ist zwar gut und richtig, dass wir Kriege, Hunger und soziale Ungerechtigkeiten verachten. Es ist auch gut und richtig, dass wir uns gegen Diktaturen stellen, Extremismus und Faschismus in all seinen Ausprägungen verurteilen und zu verhindern suchen. Wir sind auch gegen Tierquälerei und legen Wert darauf, unsere zutiefst humane Gesinnung zu kultivieren. Doch im gleichen Atemzug öffnen wir der Stammzellforschung und Tötung von Embryonen mit neuen Stichtagsregelungen Tür und Tor und loben, wie der Chefredakteur der WAZ, die Genmedizin samt PID sogar als Segen.

Wir liebäugeln damit, unsere Nachkommen am Reißbrett zu entwerfen, ja praktizieren dies sogar schon und opfern durch Selektion alle embryonalen Menschen, die nicht in unser selbst entworfenes Komfortschema des „besseren und gesünderen Menschen“ passen. Was hätte Clemens August Kardinal von Galen, der Löwe von Münster, wohl zu diesem Wahnsinn gesagt?

Wir spielen Gott und neigen dazu, alle ethisch-moralischen Schranken für einen sogenannten wissenschaftlichen Fortschritt über Bord zu werfen. Uns scheint es dabei unerheblich zu sein, dass die meisten an diesem „Fortschritt“ beteiligten Menschen, nämlich die bei der PID ausselektierten Embryonen, sterben, weil sie dem gerade herrschenden menschlichen Gesundheitsideal nicht entsprechen. Der Utilitarismus ist auf dem Vormarsch und geht dabei über Leichen – über die Leichen unserer Kinder!

Ich bin davon überzeugt, dass es das Böse in der Welt gibt. Momentan scheint es unter dem Deckmäntelchen der wissenschaftlichen Freiheit, des ungezügelten Fortschrittsglaubens und Machbarkeitswahns sowie des viel zitierten, aber nicht bewiesenen Segens für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschheit die Menschenwürde zu zerfressen.

Wir drohen dabei, die Würde des Menschen von Beginn seiner Zeugung an zu missachten und zerstören dabei auch unsere eigene Menschenwürde. Ich denke, die Techniken einer moralisch ungezügelten Wissenschaft und Medizin führen uns zu einem Menschenbild, das fernab der göttlichen Ebenbildlichkeit des Menschen, in der seine Würde wurzelt, im Morast einer Versachlichung der Menschlichkeit als biologisches Material absäuft.

Neben diesem bedauernswerten Umstand sind jedoch auch die „Designerbabys“! selbst zu bedauern. Wie muss ein Mensch wohl fühlen, der im Laufe seines Lebens erfährt, nicht aus der Spontaneität der gelebten Liebe zweier Menschen hervorgegangen, sondern auf Kosten des Lebens vieler anderer nicht so perfekter Geschwister geplant und selektiert worden zu sein?

Neben Enzykliken, Instruktionen der Glaubenskongregationen und Verlautbarungen der Bischofskonferenzen halte ich es für dringend geboten, durch und im christlichen Glauben dem Bösen Einhalt zu gebieten und vor der Weltöffentlichkeit offiziell und verbindlich Position zu beziehen. Diesen Wunsch richte ich nicht nur an das kirchliche Lehramt, sondern an jeden Einzelnen von uns. Unsere Kirche spricht mit vielen unterschiedlichen Stimmen gegen diese Kultur des Todes. Nur kann sie sich in unserer derart tauben Gesellschaft kaum Gehör verschaffen. Angesichts dieses großen Übels, das wir Menschen uns selbst zufügen, müssen wir Christen wieder lernen zu brüllen – so laut, wie es damals der Löwe von Münster tat!