Zum Beitrag „Das gefährliche Spiel mit Erika Steinbach“: Steinbach will keine Normalität: Auflösung nicht verkraftet: Erinnerung an deutschen Osten

Die Ausführungen von Stephan Raabe („Das gefährliche Spiel mit Erika Steinbach“, DT vom 7.3.2009) dürfen nicht unwidersprochen bleiben. Ob die Einschätzung zutrifft, dass in Polen eine Steinbach-Phobie besteht und in Deutschland die Ablehnung der BdV-Präsidentin aus innenpolitischem Kalkül heraus erfolgt, mag auf sich beruhen. Ich möchte auch nicht der Frage nachgehen, ob die von Polen schließlich formulierte Alternative „wir oder sie“ unweigerlich in barbarische Zeiten zurückführt.

Nicht akzeptabel sind jedoch Widersprüche und sachliche Ungereimtheiten, auf denen die Argumentation von Stephan Raabe aufbaut, der in seinem Beitrag zu recht erwähnt, dass die polenfeindliche Haltung gegenüber Erika Steinbach unter anderem darauf gestützt wird, dass Erika Steinbach 1991 gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze stimmte und Bedenken gegen die Aufnahme Polens in die EU hatte.

Damit stand sie in für Polen existenziellen Fragen außerhalb der Bemühungen des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl, der durch den Nachbar- und Freundschaftsvertrag in der Tat viel für die Versöhnung zwischen Polen und Deutschland getan hat. Die gemeinsame Erklärung zum 50. Jahrestag des Kriegsbeginns im Jahre 1989, die von Stephan Raabe zu recht erwähnt wird, macht nochmals deutlich, wie wenig Erika Steinbach als Präsidentin des BdV in der Tradition der polnischen und deutschen Politiker steht, die „hassbeladene Vergangenheit“ zu überwinden und normale nachbarschaftliche Beziehungen zu schaffen.

Die Verfasser dieser Erklärung, Bartoszewski, Mazowiecki, H. Maier und B. Vogel, waren hoch angesehene Personen im öffentlichen Leben, die aus christlicher Überzeugung und politischer Verantwortung für kommende Generationen sich uneigennützig für eine Aussöhnung zwischen Polen und Deutschland eingesetzt haben. Wer sich dieser Tradition verpflichtet fühlt, hat gute Gründe, eine Mitwirkung von Erika Steinbach in dem geplanten Vertriebenenzentrum abzulehnen.

„Das gefährliche Spiel mit Erika Steinbach“ (DT vom 7. März) ist ein sehr guter Artikel. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Licht im vielen Nebel. Meine These ist, dass Polen seine historischen Teilungen und seine Auflösung als Staat im 18. Jahrhundert noch nicht verkraftet hat. Auch scheint es ein latentes, bis heute andauerndes Unterlegenheitsgefühl gegen die protestantischen deutschen Nachbarn zu geben. Die Polen träumen von ihrer einstigen Größe und sehen sich andererseits seit Jahrhunderten in die Zange genommen zwischen den orthodoxen Russen und den direkt benachbarten protestantischen Deutschen. Im Westen hat sich seit mehr als 200 Jahren ein anti-kirchlicher Rationalismus in geistiger Hinsicht breitgemacht, der den Polen fremd ist, aber auch vielen Katholiken bei uns. Bis heute ist das so. Das ist die eigentliche Kampflinie. Papst Johannes Paul II. beleuchtet dieses Dilemma Europas ausführlich in seinem Werk: Erinnerung und Identität.

Einen herzlichen Dank der „Tagespost“! In diesen Tagen, in denen die Erinnerung an den historischen deutschen Osten fast nur noch durch den Streit um Erika Steinbach wachgehalten wird, erinnert die „Tagespost“ an eines der großen kulturellen, geistigen und geistlichen Zentren Schlesiens (DT vom 26. Februar). Kloster Grüssau ist ja nicht nur eines der schönsten Beispiele böhmisch-schlesischen Barocks, nicht nur Heimat der herrlichen Freskomalereien Michael Willmanns und seiner Werkstatt, sondern war auch, und das wird in dem Artikel von Martin Lätzel sehr eingehend geschildert, Zentrum der liturgischen Erneuerung. Nach den sorgfältigen Restaurierungen der letzten Jahre ist es ein „Muss“ für alle Schlesienreisenden.