Zu den Warnungen Hubert Hüppes wegen Sterbehilfe: Der Mensch ist nicht Herr über Leben und Tod

In dem Interview „Lebensschutz wird weiter ausgehebelt“ (DT vom 29. März) mit Hubert Hüppe (CDU), dem Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, werden die Folgen der ständigen Erweiterung der Indikationen thematisiert, die die aktive Sterbehilfe erlauben. Herr Hüppe befürchtet, dass auch Deutschland, wie bereits die Niederlande und Belgien, die aktive Sterbehilfe einführen könnte – mit humanem Mäntelchen umhüllt, letztlich aber ökonomischen Zwängen folgend. Herrn Hüppes Gedanken (eine entsetzende Vorstellung, sie könnten Wirklichkeit werden!) sind logisch und durchaus nachvollziehbar.

Beim Lesen des Interviews fiel mir die Ähnlichkeit mit dem folgenden Abschnitt aus dem Hirtenbrief des seligen Bischofs Clemens August Graf von Galen vom 3.9.1941 auf: „Wenn einmal zugegeben wird, dass Menschen das Recht haben, ,unproduktive‘ Menschen zu töten – und wenn es jetzt zunächst auch nur wehrlose Geisteskranke trifft –, dann ist grundsätzlich der Mord an allen unproduktiven Menschen, also an den unheilbar Kranken, den arbeitsunfähigen Krüppeln, den Invaliden der Arbeit und des Krieges, dann ist der Mord an uns allen, wenn wir alt und altersschwach sind und damit unproduktiv werden, freigegeben. Dann braucht nur irgendein Geheimerlass anzuordnen, dass das bei Geisteskranken erprobte Verfahren auch auf andere ,Unproduktive‘ auszudehnen ist...“ (aus: Konrad Löw: „Die Schuld“, Christen und Juden im Urteil der Nationalsozialisten und der Gegenwart, Resch Verlag, Seite 81).

Bischof von Galen führt die Konsequenzen der Auflösung des fünften Gebotes noch weiter aus, als Herr Hüppe es gewagt hat. Könnte die letzte Konsequenz, die der Bischof zieht, nicht auch im heutigen Europa Wirklichkeit werden? Denn die ideologische Grundeinstellung in Bezug auf das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“, die leider unsere Gesetzgebung schon mitbestimmt, ist doch nicht weniger menschenverachtend als die im sogenannten Dritten Reich; lediglich die Motivationen sind verschieden – damals bestimmten der Rassengedanke und die sogenannte Unproduktivität über Leben und Tod der Menschen. Heute entscheiden das angebliche Mitleid, aber sicher auch ökonomische Gründe über Leben und Tod. Beide Ideologien sind gleich menschenverachtend und gottlos. Der Mensch maßt sich an, Herr über Leben und Tod zu sein.

Der Schrecken des sogenannten Dritten Reiches endete nach zwölf Jahren. Beten wir unablässig zu Christus und seiner Mutter, dass die Schrecken, die uns drohen könnten, an uns verübergehen. Der „Tagespost“ sei Dank, dass sie sich unermüdlich für das unveräußerliche Menschenrecht auf Leben einsetzt.