Zu den Berichten über die liturgische Tagung in Herzogenrath: Kein Museumsbesuch, sondern lebendiger Ritus

Zunächst einmal möchte ich dankenswert hervorheben, dass in ihrem Artikel bezüglich der liturgischen Tagung in Herzogenrath (DT vom 6. Dezember) einige sehr bedauerliche Entwicklungen erwähnt wurden. Es ist gut und richtig, darauf hinzuweisen, dass gerade die alte Liturgie weder frauenfeindlich, noch lediglich alten Gläubigen zugänglich ist, sondern allen Zeiten und Altern. Gerade als angehender Abiturient erscheint es mir unverständlich, vom Standpunkt progressistischen Denkens aus reiner Ideologie heraus zu bestimmen, wer denn nun überhaupt empfänglich für die Liturgie nach dieser oder jener Art sei. Gerade dass die Kirche über Jahrhunderte hervorragend mit dieser Art des römischen Ritus Seelen zum Heil geführt und Heilige hervorgebracht hat, sollte zumindest klar demonstrieren, dass sich ein solch vorschnelles Urteil verbietet.

Neben diesem durchaus lobenswerten Artikel sind wohl der Berichterstattung über den eigentlichen Inhalt der Gespräche ein paar Missgeschicke unterlaufen: So ist schon der Titel ein echter Fehlgriff, ging es doch vor allem darum, den eigenen klassischen römischen Ritus besser zu verstehen. Eine anglikanische Messe wurde hier auch mitnichten gefeiert, selbstverständlich war sie katholisch und wurde wie das Ergebnis der Reform der Reform empfunden.

Im Folgenden beschränkt sich der Autor leider darauf, überwiegend Meinungen einzelner Referenten unreflektiert wiederzugeben, wie sich beispielsweise am Zitieren Eduard Nagels zeigt, der hier jede Statistik ignorierend eine stärkere Wirkung auf den Glauben seitens der neuen Messe postuliert. Stattdessen hätte man sich eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Kernthesen der Veranstaltung gewünscht, deren Hauptinhalt hier als Diskussion über den Friedensgruß vor der Gabenbereitung mindestens stark verkürzt erscheint.

Anstelle einer Aneinanderreihung der verschiedenen Thesen wäre es nun zumindest wünschenswert, ein Fazit darüber zu erhalten, wie denn nun die Liturgiereform zu bewerten sei. Ganz offenbar setzt man hier leider lieber auf das Prinzip „Bild dir deine Meinung“, was bei den verstreuten Thesenhäppchen dem nicht gerade leicht fällt, der nicht anwesend war.

Bedauernswert ist vor allem, dass der Artikel es erscheinen lässt, als handelte es sich beim überlieferten römischen Ritus um etwas Altes und Verstaubtes. Wer würde etwa bei Liturgiepflege und Wiederentdecken nicht denken, man hätte es mit einem Museum und Exponaten zu tun? Gerade das ist aber wohl das Gesamtanliegen der Tagung, einen solchen Eindruck nicht entstehen zu lassen und an seiner Stelle die Regularität jener Messe zu betonen, die selbst das neue Messbuch Papst Pauls VI. trotz ihres praktischen Verbotes zu jener Stunde deutlich würdigt.

Schön wäre es also, wenn der unbefangene Leser nicht den Eindruck erhielte, es handle sich um einen Museumsrundgang, bei dem man vielleicht noch ein wenig auf die in breiten Kreisen gefeierte Liturgie an Nützlichem übertragen könnte, sondern um den lebendigen Ritus der römischen Kirche, dessen Verbreitung gerade auch Papst Benedikt ein großes Anliegen ist.