Zu „Männer vermissen das Energische in der Verkündigung“: Klar, aber wahr statt Wischiwaschi

Zum Interview von Christoph Mayerl mit Alexander Obst, dem Beauftragten für Männerseelorge des Erzbistums Berlin „Männer vermissen das Energische bei der heutigen Verkündigung“ (erschienen in DT vom 29. April): Und wie sie Recht haben. Männer machen sich in der Kirche zunehmend rar. Warum ziehen sich die Männer zunehmend zurück? Sie sind schlechte Schauspieler und es fehlen ihnen markante, lebenserprobte Männerseelsorger, besonders in den überwiegend von Männern geprägten Vereinen, wie zum Beispiel bei Kolping.

Hart geprüfte Männer brauchen Mut und einen Pfarrer mit klaren Standpunkten, keinen Schönredner, klar aber wahr, der predigt was er lebt und passt sich nicht oberflächlich dem Zeitgeist an. Männer wollen kein Wischiwaschi mit langweiligen Alltagsproblemen hören. Wenn sie den Mut aufbringen einen Brief zu schreiben, sollte dieser auch beantwortet und nicht ignoriert werden; wie dies bei Politikern praktiziert wird.

Bedauerlicherweise werden in der Moral oft Eckpunkte verschoben, weil man doch zeitgemäß erscheinen will. Deshalb sollte das zehnte Gebot eine dringende Renaissance erleben, damit die christlichen Werte sich wieder entfalten können. Wir Männer ziehen oft schlichte, stille Messen und Andachten vor, weil die innere Kraft aus der Stille kommt und das Leben vieler schon geformt ist. Großen Vorbildern sollte in den Predigten mehr Gehör geschenkt werden, zum Beispiel dem Apostel Paulus, Klaus von der Flüh, Adolph Kolping, Pater Rupert Mayer und Kardinal von Galen, die Männer unserer Zeit ebenso begeistern. Seelsorger, die Spuren legten, werden nicht vergessen, wie der verstorbene Professor Dr. Stiegler, der nachts seine Vorlesungen vorbereitete, mit Gefangenen korrespondierte, am Abend mit jungen Menschen ein Bier trank, um eine Berghütte gehend die Beichte abnahm, als Vizepräses im Kolpinghaus München-Zentral sein Zimmer nicht verschlossen hatte und morgens um 6 Uhr die Heilige Messe las.

Ebenso der als PS im oberallgäuer Kempten bekannte Pfarrer Pangratz Schmid, der seine Isetta als fahrbaren Beichtstuhl für seine Berufsschüler solange zu einem Gespräch nutzte, bis Klarheit herrschte. Viele Jahre später war er dann auch noch als Traupfarrer gefragt. Die männlichen Schäfchen sind nicht alle verloren, sie sind weiter ansprechbar, doch es fehlt oft nur ein tapferer Rufer. Der Glaube ist bei uns Männern tiefer vorhanden, als manch oberflächlicher Pfarrer es vermutet.