Zölibat und Priestermangel: Debatte löst das Problem nicht

Zum Leserbrief „Wer evangelisiert in einer pfarrerzentrierten Kirche?“ (DT vom 23. März): Selbstverständlich beschäftigt mich die Frage nach den neuesten Priesternachwuchszahlen. Diese sind in der Tat beängstigend. Aber mit der ständigen Debatte um den Zölibat wird man das Problem nicht lösen. Die Kinderlosigkeit in Europa ist das erste Problem, weshalb wir kaum noch Priester haben. Wie soll in einer 1,2-Kinder-„Ehe“ ein geistlicher Beruf heranwachsen?

Das zweite ist eine furchterregende Glaubenslosigkeit hierzulande. Wie soll ein geistlicher Beruf wachsen können, wenn er nicht von Eltern, Angehörigen und Pfarrgemeinde initiiert und dann begleitet wird? Das Kernproblem ist für viele der genannte Zölibat. Das Problem hierbei ist, dass eine Vielzahl von katholischen Christen heute nicht mehr verstehen kann oder will, dass die priesterliche Ehelosigkeit allein aufgrund einer tiefen Liebe zum Herrn und für ihn verstehbar ist. Jeder von uns Priestern hat diesen Weg freiwillig gewählt. Dann aber folgt die Treue!

Ich möchte Frau Balling bitten, nicht einseitig zu argumentieren. Sie spricht nur von solchen Priestern, die geheiratet haben. Die Mehrzahl derer, die bleiben und geblieben sind, sind offenbar keiner Erwähnung wert. Ich selbst gehöre seit 45 Jahren zu ihnen. Bis vor drei Jahren leitete ich fast 29 Jahre lang eine Großpfarrei mit 7 600 Katholiken. Natürlich konnte ich viele Arbeiten, zu denen eine gut geführte Pfarrei nötig ist, nicht selbst vollziehen. Die zumeist Mitarbeiterinnen haben unendlich viel bewirkt. Zur genannten „Einsamkeit“ möchte ich nur in Erinnerung rufen, dass es zahllosen Witwen und Witwern ebenso ergeht, die nicht mehr heiraten. Am Ende sind wir nämlich alle allein – es sei denn, derjenige kommt ins Spiel, für den und mit dem wir diese Einsamkeit verkraften können und das ist unser Herr. Den haben wir leider allzu oft vergessen, weil wir selber „machen“ wollten. Natürlich geht es so nicht. Dennoch: Kein Pessimismus: im Vertrauen auf den, der seiner Kirche seine Nähe zugesagt hat, können wir betend bewusst auch um geistliche Berufe getrost in die Zukunft gehen.